​Sonnenaufgang der Erkenntnisse – Dienstag, den 07. Juli 2015


Man bzw. auch ich kann versuchen einen Menschen festzuhalten, doch wird es dir und mir niemals gelingen. Der Tag fängt mit einem tollen Sonnenaufgang an und mein Geist ist wach und schwebt über mir. Ich kann und werde versuchen zu beschreiben. Es fühlt sich nach einem kleinen, doch großen Schritt der Herzheilung an. Irgendetwas passiert gerade hier mit mir. Etwas abseits des Caminos verbrachte ich die Nacht im Zelt. Ich denke an dich und fühle deinen warmen morgendlichen Körper neben mir, meine Nase taucht in deinen Duft ein. Dein Körper braucht kein Parfum, dich konnte ich seid unserer erster gemeinsam verbrachten Liebesnacht super gut riechen.
Was machst du gerade? Wie geht es dir? Du bist weit weg und ich alleine hier auf dem Weg nach Compostela. In meinem verwundeten Herzen bist du bei mir!

Jetzt beim Tagebuchschreiben im Aufwachen des neuen Pilgertages spielen die Atome in meinem Hirn verrückt. Mache ich einen Schreiburlaub? Ich habe keinerlei Ahnung was mich heute im Verlauf des Tages erwartet. Ist auch nicht wichtig, da ich weiß, dass ich weitergehe und einen Teil meiner Geschichte hier an diesem Ort begrabe. Goodbye. Die aufgehende Sonne bringt die Wärme in mein geöffnetes Zelt und ich grabble aus dem Schlafsack. Hallo Camino, hallo Welt, da ist er nun, der neugeborene Pilger Kai. Ein Uhu in der Nähe macht sich bemerkbar. Natur rein und pur. Meine Erkenntnis, ich liebe dich noch immer und dies obwohl du mich als den Mann an deiner Seite nicht willst. Ich lasse mir meine Träume nicht nehmen und verlasse dich, mein Weg wartet darauf von mir alleine gegangen zu werden. Nach 30 Minuten Tagebuchschreiben und den Rucksack neu packen geht’s endlich los in den Tag hinein. Open Doors. Was ich mir vornehme ist höchstens 30 Kilometer zu pilgern, zu waschen und zu relaxen. Der plan ist gut, ob er funktioniert?

Start um Punkt 9:00 – ich brauche heute Zeit um die Gänge hoch zuschalten und den Fahrtwind aufzunehmen. Den nächsten Ort Redecilla del Camino ist nach 2 km begangen. Schluss.

P.S.: ganz einfach menschlich und sehr sehr ehrlich … ich habe Lust auf göttlichen Sex mit dir, einer langen Zeit des Duschens und ein richtig großes Bett.

P.S.S.: ich ertappe mich wieder beim festhalten meiner Gedanken und Gefühle. Diesmal mit geschriebenen Worten, obwohl ich doch weiß, das mir dies niemals gelingen wird.

Seltsam schön meine Empfindungen, Momentaufnahmen auf dem Jakobsweg. Schreiben ist gleich Liebe. Universelles Universum der Größe. Schreiben als Seelenfrühstück. Jaha. 4 x 225 Kilometer ergeben meine vorgenommenen 900 km Jakobsweg PUNKT. Ein viertel davon ist zu Fuß zurückgelegte Geschichte. Bis zum richtigen nahrhaften Frühstück gehe ich 14.000 Meter über staubige Schotterpisten weiter. Die Kornfelder verfolgen mich dabei und die ungeliebte Autobahn mein Dorn im Auge. Ein Supermarkt ist gefunden. Joghurt, viel frisches Obst und Zuckerwasser Cola finden den Zugang zu meinem Magen. Gestärkt kann die reise weitergehen. Meine erste Pilgerbegegnung findet beim überholen einen Blondine statt. Sie kenne ich irgendwoher, doch woher bloß? An einem Fußgängerübergang treffen wir uns wieder, sie spricht mich an. Kommt aus Kanada und studiert in Holland erfahre ich aus dem Gespräch heraus. Ihr Ziel ist am Freitag, den 24. Juli 2015 in Santiago de Compostela einzulaufen, an diesem Tag ist das Abschlussfeuerwerk der Festwoche dort. Davon wusste ich nichts, aber dies bewegt etwas in mir und ich male mir mein Ankommen an diesem Tag aus. Am aller geilsten fliegst du mir hinterher und schließt mich endlich in dein Herz, und nicht nicht nur beim begegnen vor der Kathedrale in deine Arme. Den Namen der Festwoche bekomme ich bestimmt noch heraus und dann werde ich es dir mitteilen …

Die Blodine und ich laufen ein Stück des Weges gemeinsam weiter und unterhalten uns herzerfrischend über den Weg, über Gott und die Welt. Ich drossle meinen Speed, es läuft sich eh nicht so gut an diesem Tag. Nicht nur das Frühstück war eine Bombe, eine Magenbombe. Ich freue mich darüber, dass mein Englisch verstanden wird und dazu sich echt wirklich bessert von Tag zu Tag. Die Angst etwas falsch auszusprechen oder das mein Vokabular unzureichend ist, ist verschwunden und es gelingt mir mein Empfinden meist gut zu umschreiben sprachlich. Auch sie mag den Autor Paulo Coelho sehr gerne und dann taucht er vor unseren Augen auf … als Werbebanner für eine Herberge bei der er wohl zu Gast mal war. Haha, wie geil ist das denn! Ein Zeichen zum guten Weg nach Compostela. Olivia kennt & liebt fast all seine Bücher. Die Brücke ist gebaut, die Gedankenbrücke … Olivia saß am Montag, den 28. Juni im selben Bus von Bayonne nach Saint Jean Pied de Port mit mir. Gemeinsam erleben wir unbeschreiblich schöne Momente auf dem Jakobsweg, links und rechts von uns begleiten uns unzählige Schmetterlinge. Die Sonne scheint, die goldenen Kornfelder mit ihren reifen Früchten rascheln im Wind. Dann kommt der Moment des Abschiedes, sie schickt mich weiter. Zu groß die Unterschiede beim gehen. Bye und buen Camino.

Die eine Blondine schickt den Pilger Kai auf seinem Weg und die nächste kreuzt ihn. In der nächsten Ansammlung von einigen Häusern trifft mich die Schwedin und wir reden, gehen gemeinsam weiter. Diesmal passt es noch mehr, das Gehtempo und die Unterhaltungen auf Englisch. Die letzten 6 Tageskilometer zu meinen über 40zig passen. Wildblumen in sagenhaften Farben tauchen auf. Das Leben ist schön. Ich tauche erst in die Realität wieder ein, nachdem sie ihre Seelenlast loslässt und zwar war sie als Soldatin im Balkankrieg. Schlimme Geschehnisse in diesen Kriegszeiten begleiten sie auf ihrem Lebensweg …

Buen Camino & ultreia 🙂 

Pilger Kai ❤

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