​Die Begegnung mit meiner Melancholie auf dem Camino. (Teil 3)


… dieser Weg nach Viana hat es wirklich in sich, Rampen rauf und wieder herunter. Seid Pamplona
ist die Blase unter dem linken Fuß wirklich zum Scheusal geworden. Eine offene Wunde die tierisch bei jedem Schritt schmerzt. Obendrein schafft mich die Hitze, da hilft nur ein Nickerchen im Schatten. Nun überholt das körperliche Leiden die Melancholie und stellt sie irgendwo in eine Ecke meines Gehirns, in der ich sie vergesse. Endlich taucht am späten Nachmittag mein Tagesziel Viana vor meinen Augen auf. Der Camino endet hier abrupt, ein weiteres Dankeschön ist nun die letzten 1 bis 2 Kilometer direkt an der Landstraße entlang zu pilgern? Eher mit Vorsicht auf der Gegenverkehrsseite zu gehen! Angekommen bin ich wieder unfähig gescheit einzukaufen und lande mit Schnickschnack wie Softeis auf einer Bank am Marktplatz. Ich freue mich auf ruhige Minuten bevor ich mir Gedanken zum Schlafplatz erlaube. Dem wird nicht stattgegeben. Hier auf dem Hauptplatz ist am Abend Konzert, auf der mächtigen Bühne stehen 5 Rockmusiker zum Soundcheck bereit. Als die Gitarrenriffs mit Bass und Schlagzeug aus den Boxenwänden dröhnen baut sich im Hintergrund eine Klassikgruppe mit mehr als 30zig Leuten auf. Spannend, es lässt mich vergessen und weckt meine ganze Aufmerksamkeit. Die Rockmusik in Begleitung der Klassikelemente erfreut mich tiefst. Dann schaue ich mich etwas um und ein paar Bänke weiter grinst mich mein holländischer Pilgerfreund an, sehr erfreut bin ich nicht, schließlich lernte er mir die Lektion des „Verlassens“ erneut. Ohne Grund und Angabe der eigenen Beweggründe zu gehen, fühlt sich in mir einfach wie an? SCHEIßE !!! Zum Glück ist die Musik zu laut um sich zu unterhalten, so ist der Camino, so ist das Leben. Schade, eigentlich Schade, ich mag ihn. Ein klärendes Gespräch braucht seine ganz eigene Zeit.

Nach dem Nachschlagen weiß ich, bis zur nächst größeren Stadt Logroño geht’s 10 Kilometer weiter, soll ich mir dies noch antun? Tschüss. Anfänglich eine eine Bekanntschaft die sich cool angefühlt hat, jetzt komisch, seltsam fremd. Kenne ich doch irgendwoher! Lieber Kai, bleib mal vorsichtig und urteile nicht so hart und vor allem nicht sofort. Abwarten und Tee trinken. Man(n) sieht sich auch auf dem Jakobsweg mehrmals. Das Kind liegt nicht im Brunnen und ist Tatsache. Der Camino wird für mich die ganze Welt, kompakt verpackt auf einem jahrhundertealten Pilgerweg. Ich stelle fest, dies ist eine phantastische Begebenheit. Das Verlassen von Viana ohne mich im Internet bewegt zu haben tut gut. Die Ansicht wegzulaufen ist nicht vorhanden. Es ist gut.

Kein Raum und keine Zeit für Internetwelt. Diese Welt kann mich mal gerne haben. Bin am Urlaub machen, dass das heißt manchmal zu leiden, das Leben eines Pilgers zu führen. Mit allem was dazu gehört. Das Sonnengesicht ist unermüdlich, sie steht tief am Himmel im Westen und strahlt immer noch eine unglaubliche Energie aus. Dann wieder die Melancholie, sie meldet sich zu Wort: „Vielleicht macht sich der ein oder andere Sorgen um mein Befinden!?“ Ja und. Ja, dann ist es einmal so, genauso und nicht gefälscht anders.

Mir wird nicht nur die Begleitung der Melancholie zu viel, ich brauche Nachtruhe und einen Kosmos für mich um wieder runterzukommen und mich zu entspannen. Dieser Camino ist ein Spiegelbild meiner selbst. Alle Achtung. Auf keinem anderen Wanderweg begegnete ich meinem Licht und meinen Schatten dermaßen. Hinter aufgetürmtem Strohballen findet sich was, was geeignetes zum chillaxen. Das Kornfeld ist abgeerntet und ragt nur noch mit kurzen Stoppeln aus der Erde. Yeah, ich habe einen Schattenplatz, einen Platz für mich ergattert. Dazu Sicht geschützt vom Camino. Mist, mein erster Sonnenbrand meldet sich im Ruhezustand. Durch das Sonnenbrillen tragen den ganzen Tag hinweg sieht man die Hautrötungen nicht wirklich. Nun ist die Zeit da mich um meinen geschundenen Körper gut zu kümmern. Ist Programm. Meine Luftisomatte verliert nun noch Luft trotz dem guten Aufpassens mit Folie zu unterlegen. Reise mit Schwierigkeiten herzlich willkommen, wenn ich nicht mein Herz wiederfinden möchte wäre alles noch um einiges besser. Ist es wirklich schlecht und unaushaltbar? NÖ. Einen Stein zum Heringe in den Boden klopfen ist besorgt, hehe ich habe etwas wieder gelernt. Bei an rauschendem Gewitter wird mein Zelt seine Wurzeln in der Erde finden. In der Nacht im dunkeln einen Stein zu suchen ist sehr mühselig. Auch der Himmel hier sieht nach Entladung von Hitzegewittern aus. Dies ist kein Wunder bei Tagestemperaturen von weit über 35 Grad. Spanien ich lerne dich kennen, zu Fuß über Berge, durch Täler, durch Städte usw. Das mit dem Tagebuch schreiben klappt vorzüglich. Das erfreut ungemeinst. Nun ist zu schlafen und mich zu erholen mein größter Wunsch. Ach ja, mein Herz zu heilen ist ein größerer dazu! Die letzten 2 Lebensjahre waren wichtigst und gleichzeitig gefühlt unwahrscheinlich hart. Fast keiner versteht mich / dich und den Weg. Gehst DU und ich einfach weiter?

Oder geben wir auf …

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