​Die Begegnung mit meiner Melancholie auf dem Camino. (Teil 2)


Seit 5 Tagen keine Dusche mehr von innen gesehen blieb mein letzter bleibender Gedanken beim Blick auf die Menschen im Pool. Hier auf dem Camino Frances gibt’s wirklich so gut wie keine Zeltplätze direkt am Weg. Der gelbe Outdoorreisefüher behielt wirklich recht. Auf die Herbergen habe ich keinen Bock und ziehe es weiterhin vor in der Pampas zu zelten. Irgendwie bin ich immer noch sehr voreingenommen und betitle die Herbergen zu sehr nach Hape Kerkeling. Massenpilgertourismus. Heute auch? Ich erlebe zum ersten Mal den viel beschriebenen Gepäcktransport per Money, und dies hautnah. 6 bis 8 Euro für den Transport direkt in die Unterkunft, die Preisspanne wird abhängig der Länge, der Tagesetappe abgemacht.
Ich bin angepisst und erlebe mich unangenehm fremd. Warum lasse ich die Pilger nicht Pilger sein und scheiß auf die blöden Gedanken & Gefühle? Es ist meine Wahl und mein Weg. Herzlich willkommen Melancholie, hast du Vorfahrt? Es ergibt sich die Möglichkeit Kaltgetränke zu kaufen. Gleich 2 Liter kalten Orangensaft pfeife ich in mich hinein. Das kühlt innen und auch meine akute Stimmung. Meine Verweilzeit eine Stunde mit dem wiedergetroffenen deutschen Pärchen vom Vorabend. Gegen Ende 40zig mögen sie sein und betrachten den ersten Ausflug auf den Jakobsweg innerhalb einer Zeitspanne von 14 Tagen als reinsten Genuss. Eine dritte Person sitzt unter dem Sonnenschirm am Tisch. Er schüttet sich gleich nach dem Kommen sein bestelltes kaltes Bier in den Rachen und die Dritte im neuen Verbund, Silke aus Köln auch. Der herbe aufkommende Wind bläst uns Frische ins Gesicht, er kühlt uns ganz. Die Unterhaltungen werden zum Smalltalk, nicht meine Liga, zudem ungutdraufsein wird’s mir nach gehen. Silke schläft in einem Mehrbettzimmer in der schmucken kleinen Herberge des O-Saftkaufes. Das Pärchen im Hotel mit Pool zu 69 Euro die Nacht. Die Silke gefällt mir, sie hat ein Armband an. Dieses berechtigt sie im Pool des Hotels zu baden für schlappe 10 Euro. Das gefällt mir. Nach der Ankunft hier um 14 Uhr eine Stunde am Pool zu liegen begeistert mich immer mehr, einfachst sehr, sehr verlockend. An meiner linken Seite eine hübsche Frau und bald im Bikini!? Die Gesprächsrunde wird zum Glück aufgeheiterter, wir landen beim Ausweisfotos zeigen. Silke ist hübscht und ihr Bild auf dem Papier steigert mein Verlangen Zeit mit ihr zu verbringen. Sie hat in Pamplona mit dem Pilgern begonnen, ist dann urplötzlich ziemlich am Ende nach dem zweiten Bier. Das Leiden hat sie eingeholt.

Ich verlasse ALLE. Den Ort und die Bekanntschaften. Mit mir die Melancholie im Rucksack. Am Friedhof ankommend tanke ich Wasser in mich hinein und die Trinkblase bekommt auch noch nächsten Vorrat. Zu viele Menschen unterstützen nicht meine Sehnsucht, die Sehnsucht, mein Herz wiederzufinden. Zurückblickend versteh ich gar nichts mehr!! Angelangt in meinem Leid der unerwiderten Liebe lief mir keine andere begehrenswerte Frau über den Weg und jetzt …

Schlagartig trifft mich der Blitz. Ich könnte die Melancholie doch heiraten, wir wären das optimale Paar auf dem Weg.

Weitergeht es mit weiteren 11 Kilometern bei und mit Füße. Die Warnung missachte ich wiederum …

Im Buch stand ein ständiges auf und ab zum Weitergehen. Der Abschnitt hat es einfach in sich. Die Sonne bügelt den Kai weiter und weiter, diesmal begegnen mir keine Fusspilger mehr. Drei Pilger per Velo mit Grußworten: „Buen Camino!“

Teil 3 ?

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