Die Begegnung mit meiner Melancholie auf dem Camino. (Teil 1)


Ich laufe schon 8 km, meine Moral ist am Sack. Die Feldwegstrecken führen mich kreuz und quer an erntereifen Kornfeldern entlang. Der linke Fuß schmerzt wie die Sau. Immer wieder liegen zurückgelassene Kleidungsstücke und Schuhe am und auf dem Jakobsweg. Lassen die Pilger sie aus Gewichtsgründen zurück? Eine Möglichkeit sicherlich, denn es ist noch ein weiter Weg bis Santiago de Compostela. Doch wer kann diese gebrauchen? Ich nicht und sonst wohl eher wenige, obwohl, man weiß ja nie über die aktuellen Bedürfnisse seiner Mitmenschen genau Bescheid. Bis zur nächsten kommenden Ortschaft haben meine Pilgerbeine noch ca. 4 km vor sich. Mein Weg wird zur Hügellandschaft und wunderschönst. Insgeheim freue ich mich auf´s Frühstück, mit leerem Magen holt einem der Hunger bald ein.

Seid dem Verlassen von Freiburg sind 8 Tage vergangen. 2 Tage in Bordeaux bei meinem Freund Norbert und seiner Familie. 1 ausgelassener Tag in Saint Jean Pied de Port. 5 Tage gehen meines Camino Frances. Bis zum Frühstück eine Distanz von 13 Kilometern. Jeder Meter mit stechendem und brennendem Schmerz im linken Fuß. Der Herzseite. Es ist leicht bewölkt am Himmel und weiter geht es an goldenen Kornfelder und Rebstöcken entlang. In Spanien sind die Rebstöcke winzig und nahe am Boden, sicherlich nur knapp einen Meter hoch. Aus meiner Heimat kenne ich es ganz anders und gepflegt ordentlich, typisch deutsch schießt es mir ins Hirn. Kein Ort weit und breit. Denke nun öfters an mein erstes Verlieben auf dem Weg. Diese schöne Erinnerung spendet / spendiert Energieschübe. Wahnsinn, ein Lächeln mitten ins Herz und seine Überreste zur Frau im Heimgang. Der Tag und seine Qualen. In Rio Cardiel angekommen bin ich so mit mir und meinen Gedanken beschäftigt, dass ich unfähig bin gescheit einzukaufen. Kurzschlusskäufe aus dem Hunger heraus.

Trinkjoghurt, Cola und süße Pfirsichgebäckteile. Vielleicht denke ich zu viel und fühle zu wenig … oder umgekehrt!?

Im Schatten eines historischen Gebäudes fresse / stopfe ich alles innerhalb Minuten in mich hinein, oh oh wie unfein. Leider kaufte ich kein Obst für weiter dann unterwegs. Meine Augen sehen den Hölländer, der der mit dem ich die letzte Nacht teilte. Ich gehe nicht zu ihm und sehe in beim knipsen von Fotos. Meine Digicam ist am Arsch. Welch Omen und eine Erinnerung zur Melancholie Teil 1. Weiter unterwegs auf dem Jakobusweg treffe ich deutlich weniger Pilger als an den vorangegangenen Tagen. Gehe dazu noch allen aus dem Weg, trotz Schmerz, nicht nur im Fuß. Habe verdammt schlechte Laune und meine Motivation ist gleich null. Trotzdem oder gerade deshalb bin ich hier, weiter gehen und weiter zu gehen. Los Arcos erwartet mich mit freundlichen Gesichtern, das aufgeregte deutsche Pärchen vom Abendessen am Vorabend begegnet mir mit einer weiteren neuen Frau auf meinem Weg. Sie sind alle ganz nett und so was von aufgedreht auf dem Weg zu SEIN. Ich kann und will nicht, weiche aus und gehe weitere 11 km hinfort. Staubige mit Steinwege in der prallen Mittagssonne. Es ist heftigst unmenschlich, nur wenige Wasserquellen. Hut-Kopfkühlung in Schulnoten ausgedrückt: „Mangelhaft“

Die vernünftigste Entscheidung ist es wirklich Siesta zu machen / zu leben. Im Schatten eines Baumes tue ich einfach. Dann kommt eine sehr weißhäutige Amerikanerin mit roten Haaren und sehr sehr leichtem Rucksack zu mir. Nach etwas an Austausch weiß ich immer noch nicht was sie eigentlich mir erzählen möchte. So wie sie aus dem Nichts erschien, verschwand sie auch wieder.

Der Kurzzeitschlaf tat gut und trotzdem bin ich genervt, meine Digitalkamera fehlt mir! Die Gegend ist so schön und der Handyzoom einfachst und für den Arsch. Es geht leicht bergan weiter in Richtung Sansol. Die Strecke ging ewig lange nur geradeaus. Endlich wieder ein Zickzack im Weg, juhu! Die Obstbäume am Rande liefern noch nichts essbares, sehr sehr schade. Die Pfirsichbäume welches keine sind, sie sind Mandelbäume und ich blick´´s gerade mal wieder nicht … sind auch nicht reif. Wuuuuaaaaahhhhhaaaa. Oben auf dem Hügel im Örtchen endlich angelangt. verschlägt es mir ALLES, nicht nur meine Sprache PUNKT. Im Ort kein Trinkwasserbrunnen sichtbar. Und und shit es geht nun 800 Meter weiter durch ein Tal. Steil hinunter und am anderen Ende wieder hinauf. Die Sonne lacht, ich nicht. Ein Hotel aus Natursteinen gemauert taucht zu meiner Linken auf. Wunderschön, wirklich. Mittendrin im Gemäuer ein Steintorbogen welcher beim Durchblick einen Blick in den Innenhof mit Swimmingpool als Spur der Sehnsucht hinterlässt. Ein kleiner künstlicher Wasserfall lässt den vergnügten Badegästen Wasser über ihre Körper laufen. Und ich habe seit 5 Tagen keine Dusche mehr von Innen gesehen …

„Wie geht’s weiter?“

Buen Camino & ultreia 🙂

Pilger Kai mit ❤

 

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5 Gedanken zu “Die Begegnung mit meiner Melancholie auf dem Camino. (Teil 1)

      1. Siehst du den nicht? Vor deinem Kommentar steht ein Link. Wenn der nicht von dir ist: Shit, hoffentlich habe ich mir nichts eingefangen! :O
        Komisch kam es mir ja schon vor, aber weil du vertrauenswürdig bist, habe ich geklickt. In deinem aktuellen Kommentar steht er übrigens wieder.
        Ich habe mir das schon vor einer Weile vorgenommen, dass ich generell keine Links mehr anklicken werde. Mache ich jetzt hiermit noch mal und dann aber auch endgültig.

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