>>> Work from tonight <<<


Montag, den 20. Juli 2015 – der Busenblick.

Mein Morgen fängt super an und zwar bekomme ich Honigpfannenkuchen geschenkt. Bis 7 Uhr fand mich ein erholsamer Schlaf mit guten Träumen. Am Ortsausgang von Vega de Valcarce grüßen mich zwei spanische sehr alte Frauen. Ich werde schlagartig ins Mittelalter versetzt, zu Fuß und sehr langsam gingen damals die Menschen von Ort zu Ort. Zum Einkauf … oder zum Arzt … oder einfach andere Menschen besuchen. Sie sind sehr langsam und wirken gebrechlich. Schade, dass ich kein Spanisch spreche. Irgendwie verspüre ich große Lust ihre Lebensgeschichten zu erfahren. Der Camino badet in Schmetterlingen. Ich betrachte achtsam das Treiben der Fische im Bach links unterhalb von mir. Libellen in schönsten Farben wecken meine Achtsamkeit noch etwas mehr. Alles im gehen und meditativ, das Bachrauschen wirkt beruhigend. An diesem Morgen herrscht ein schönen Licht. Schattenspiele durch Wolken die am Himmel entlangziehen. Die Berge sind ihre Leinwand. Der Weg wird sehr steil und fordert meine ganze Konzentration, da der Untergrund sehr steinig ist. Muss wohl eine sehr alte Route sein, gleicht einer Römerstraße. Eine Stunde dreißig bis hoch nach La Faba ca 7 Kilometer. Setze mich an einen Brunnen und meditiere, bevor ich Tagebuch schreibe. Das weckt Neugierde bei meinen Zimmernachbarn letzter Nacht, die hier auch gerade rasten. Wir sprechen wenig und ich bilde mir ein, dass es eine Mutter mit ihrem Sohn ist. In Muxia werde ich sie wieder treffen und erfahren wer sie ist. Wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, verrate ich trotzdem mal!

Der Sohn kommt auf die glorreiche Idee mich zu fotografieren, warum nicht, er bitte um mein Handy, damit mir auch diese Erinnerung bleibt. Danke. Körperlich und Mental geht es mir ausgezeichnet. Der Himmel wird noch wolkenloser und Sonnenschein pur. Als ich aufbrechen möchte schleichen kleine junge süße Kätzchen um meine Beine. Es erfrischt mein Herz. Der Anstieg ´war sehr sehr hart, zuerst Teer und dann ein Untergrund mit großen groben Steinen. Die Bäume lieferten Schattenspiele. Licht und Schatten, Schatten und Licht. Dann wird der Horizont erweitert und die umliegenden Berge zeigen sich. In Laguna de Castille auf 1150 Meter Höhe ist eine Bar geöffnet. Ja-wohl … Cafe con Leche, Kuchen und frisch gepresster Orangensaft. Kai, sage einfach ja, ja zum Leben erleben! Ein ganzes Frühstück für glatte 4 Euro, wo gibt’s das denn? Auf dem Camino de Santiago. Da sitze ich nun im Freien auf der anderen Wegseite und genieße mein Leben in vollen Zügen. Mein Blick wandert weg vom Tisch und Frühstück, er landet an der Hauswand der Bar. Eine blonde Schönheit bückt sich und zieht ihre Wanderstiefel wieder an. Sie dürfte Ende zwanzig oder Anfang dreißig sein. Sie schenkt mir einen tiefen Blick in ihr Dekolletee. Ich wollte dies nicht und kann diesem Busenblick nicht widerstehen. Ich darf gestehen, dass meine Hormone mit mir durchgehen. Ein Traumbusen …

Ich litt und kämpfte mit dem Gewicht auf meinen Schultern bergauf und nun ist alles davon weg. Der Auslöser, ein Busenblick bei einer hübschen Frau. Als sie aufstand und losging möchte ich ihr hola und buen Camino zu rufen und damit ihre Aufmerksamkeit auf mich richten. Der Camino will dies nicht und es findet keine Begegnung statt. Sie sieht mich nicht, noch nicht ??? Ein Gefühl von sofort aufstehen und hinterher rennen kommt auf, dazu NEIN. Ich lasse es sein und bleibe am Frühstück sitzen. Nach einer weiteren Zigarette geht es für mich auch weiter.

Der Weg bergauf wird milder, weicher und gut zu gehen. Ein Stein erwartet mich, die Grenze zu Galicien ist erreicht. Bleibe stehen und fotografiere ihn. Mein guter Freund Thomas schwärmte vom sehr guten Essen in Galicien, ich bin gespannt. Oben in O Cebreio angelangt verstehe ich die Welt nicht mehr, meine Welt!? Hier Oben ist Party wie auf Mallorca, ein Haufen junger Leute die um kurz nach 11 Uhr morgens herum grölen und Bier in ihre Kehlen schütten. Meine Augen suchen kurzzeitig die Frau mit den tollen … ich beschließe unverzüglich mich wieder auf den Weg zu machen. Es ist nicht meine Welt hier trotz den schönen Steinhäusern und der grandiosen Fernsicht. Jetzt wird’s ganz übel für mich. Wo ist der Camino, wo geht es weiter, verlaufe ich mich!?
Aus dem Denken des Verlaufens wird Ruhe und ich bin tatsächlich auf dem Weg nach Compostela. Pausieren und vorbei kommende Pilger zu fragen brachte diese Erleichterung mit sich. Wirklich die Freiheit im Herzen, dieser Rundumblick nach dem Gang durchs Tal an der Straße entlang ist Hammer mäßig und geilst. Die weißen Wolken bilden Wolkenbilder und dies lässt die Phantasie beflügeln. Drachen, Mäuse und andere Tiere zeigt der Himmel über dem Pilger Kai. Alle paar Kilometer gibt es Wasser in guter Qualität. Die Beschreibungen aus dem Outdoor Reiseführer stimmen auf´s Wort. Ein / mein Traumtag wirklich und echt. Durch die Wärme entscheide ich mich oben Ohne zu laufen und hänge das nasse Wanderhemd an den Rucksack zum trocknen. Immer öfters halte ich meinen Kopf unters Wasser und kühle somit meine Gehirnwindungen. Musik wird vom Handy aus ins Ohr transportiert. Ein kühlender Wind kommt auf und streichelt mein Brusthaar.

(Die Geschichte mit dem Briten kommt vielleicht genau hier herein …)

Ich laufe weiter wund weiter, quasi in den Himmel hinein. Wolken und Berge im Sonnenschein sind ein Kombination zum Träume zu leben. Ein ungefähres Tagesziel hatte ich, am Zielörtchern angelangt hat die Herberge nicht auf und mein Hintern findet ein Stuhl zum Cafe con Leche zu trinken. Ich schalte den Flugmodus im Handy aus und begrüße das Internet, dank W-Lan in der Bar. Wer kommt an gewackelt und spricht mich an ??? Zwei Frauen und eine schenkte mir den Busenblick. Sie fragen mich auf Englisch: „Wo schläfst Du heute Nacht?“
Nach etwas an Gespräch gelingt es mir die Beiden zum Lachen zu bringen und das Missgeschick mit der geschlossenen Herberge zu vergessen. Wir gehen gemeinsam weiter und unterhalten uns super gut. Auf dem Weg nach Triacastela lernen wir uns kennen. Die beiden laufen den Jakobsweg in Etappen und auf ihren jeweiligen letzten Etappen kam das Kennenlernen zustande. Eine kommt aus Australien und der Busenblick kommt aus den Niederlanden. Vor fast auf den Tag genau vor 3 Jahren lernten sie sich auf dem Camino kennen und wertschätzen. Ihre Verbindung lief mit langer Zeit der Unterbrechung darauf hinaus, dass es 2015 gemeinsam weiter geht. Mein Englisch wird wieder besser und dies erfreut mich. Der Abstieg verfliegt ohne wirkliches Zeit- und Raumgefühl. Am Ortseingang erspähen unsere 6 Augen den wohl meist fotografierten Baum auf dem Camino. Uralt, steinalt und mächtig steht er da und begrüßt die Pilgercharen. Diese Kastanie trägt ihre Wunden mit Stolz und hat sicherlich einen Umfang von 5 Metern. Ich werfe meine Münze heimlich, weil ich keine Entscheidung treffen kann. Sie rät mir mit dem Angriff zu warten, lasse mein charmantes Wesen weiter fließen. Ich stehe unwahrscheinlich auf die Niederländerin, das darf ich mir eingestehen. Angelangt im Ortskern von Triacastela begrüßen uns haufenweise Pilger. Der erste Anlaufpunkt zur Schlafstätte wird ein Misserfolg. Nach dem Weitergehen und der Suche kommt der Glückstreffer. Eine recht neue Herberge findet sich und damit ein Wiedersehen mit zwei gläubigen Polen aus einer Nacht auf dem Camino von und mit mir. Nach der Anmeldung und dem obligatorischen Pilgerstempel wird uns ein extra Raum aufgeschlossen. Darin befinden sich Betten für 12 Personen, wir sind zu dritt hier im Jetzt und nun.

Nach dem Auspacken und Betten belegen trennen sich unsere Wege. Die beiden Mädels fragten mich nach dem gemeinsamen Abendessen und ich verneinte, weil ich noch Besorgungen zu treffen habe. Wir sehen uns später wieder!? Ein JA folgte.

Mein Weg führte mich zum verschlossenen Tabakladen und der Supermarkt hatte auch schon verschlossene Türen. Shit. Dann auf auf zum Abendessen. Ein wunderbares Abendessen beglückte mich und mein Herz. Eine undefinierbare Suppe und gegrilltes Rindfleisch mit zwei Saucen, eine grüne und eine rote. Hatte mein Freund Thomas wirklich Recht mit dem Gaumenschmaus zu Galicien … Ja, definitiv! Beides Pfeffersaucen erfuhr ich nach der meinigen Nachfrage danach. Mein Kellner hatte sich chinesische Schriftzeichen Tätowiert. Auch er konnte gut Englisch und seine Erklärung zum Tattoo passte einfach zum Tagesgeschen. „Lebe DEINEN Traum.“

Dieser zarte Ort hat eine gute Energie wird mir schnell bewusst!!!

33 Kilometer an diesem Zaubertag und dies über Berge und in den Himmel hinein laufend. 667 Kilometer an 20 Tagen. Genug für heute und gute Nacht. Der weg ins Bett mit kugelrundem Bauch. Glücklich und glückselig. Der Raum war leer. Die Gedanken an mein schweres Leben vor dem Camino verzögerten mein einschlafen. Die Zimmertüre wird leise geöffnet, ich wache trotzdem auf. Nach der leisen Begrüßung verlasse ich den Raum und gehe draußen rauchen. Die Luft schmeckt süßlich … nach Gras aus einem Joint. Ich geselle mich hinzu zu den Spaniern. Schweigend wird die Runde erweitert. Nach dem Versuch mir aus meinen letzten Tabakkrümmel eine Kippe zu drehen wird mir ausgeholfen. Eine nette aufmerksame bekiffte Spanierin schenkt mir ausreichend Tabak für heute Nacht und den nächsten Morgen. Der Camino sorgt gut für mich und meist nach dem Niederlegen meiner Sorgen und Gedanken.

Nach dem Verabschieden und Rückweg ins Zimmer kommen mir zwei Frauen entgegnen die auch nicht gut schlafen können. Die Niederlande meint zu mir: „Wir schlafen hier merkwürdigerweise sehr sehr unruhig, wir gehen duschen!“ Ich erwiderte ihr Empfinden. „Was können wir dagegen tun?“

Sie: „Lass uns gemeinsam duschen gehen!?“

Ja.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s