Von Pamplona nach Puente la Reina (Teil 2)


Im nächsten Ort Uterga angelangt gibt es einen weiteren Brunnen und das Wasser hat hervorragende Qualität. Ich bin echt erstaunt über die vielen Möglichkeiten auf dem Camino Frances an Trinkwasser heranzukommen. Der Reiseführer hat mit seiner Info nicht übertrieben. Der Ort ist süß und besteht aus vielen alten Natursteinhäusern. Eine grüne Wiese verlockt zum kurzen Powernapping, gedacht, getan. Weiter geht’s nach einer Stunde. Viele Pilger sind zu meiner Zeit nicht unterwegs, das gefällt mir sehr gut. Vom Gefühl her war ich schon einmal hier, keinen blassen Schimmer woher dies Gefühl kommt. Die Landschaft und die Orte wirken auf mich sehr vertraut und ich kann es auch nicht glauben, dass ich erst meinen Tag Nr. 3 auf dem Jakobsweg in Spanien zelebriere. Körperlich (bis auf die Blase unten am linken Fuß) geht es mir sehr gut. Obendrauf bleibt mein gebrochenes Herz ruhig und zeigt leichte Fortschritte auf seinem Weg der Heilung.
Aber dann und wann werde ich von einem ganz anderen Gefühl überfahren, ein größerer Gedanke diesbezüglich … treibt mein Ego einen Schabernack mit ihm. Die Landschaft nach der Pyrenäenüberquerung ist ein Traum, gehört dieser Abschnitt noch zu den Pyrenäen? Was ich weiß, spüre ist: „Der Camino trägt mich zu mir und meinem Selbst!“

Das Weitergehen bereitet Herzensfreude, der Camino wird gerade zu einem Trampelpfad und dieser ist ziemlich schmal, so das hier keine 2 Menschen aneinander vorbei gehen können. Wer soll mir denn auch entgegenkommen? Die leichten Schmerzen am Fuß vergesse ich im dahingehen.

Dann geschieht etwas unerwartetes.

Eine / meine Traumfrau kommt mir entgegen. Ein Mädchen mit braunen langen Haaren, ihr Körper braungebrannt, ihre brauen Augen strahlten mich an. Ich bleibe augenblicklich einfach stehen, blicke, staune, warte und lasse sie auf mich zukommen. Dann weiche ich mit einem Ausfallschritt etwas nach rechts aus und schaffte den nötigen Raum um sie an mir vorbei gehen zulassen. Ich war sofort verliebt. Beim ersten Augenblick. Schon aus großer Entfernung spürte ich dies Gefühl von Verliebtheit in mir. Was macht dieser magische Weg mit mir???

Sie kam mir wortwörtlich immer näher und versprühte diese Liebesenergie. Diese Frau ging auf direkten Weg in mein Herz, ohne einen Schlüssel zu gebrauchen.
Als sie dann an mir vorbeizog und mir ein „Buen Camino“ zu wirft, zittern meine Beine kräftig. Meine Erwiderung des Pilgergrußes fällt mir schwer, mir bleibt einfach die Spucke weg, meine Zähne klappern im Mund herum. Mein Lippen öffnen sich dann doch noch und mein Mund wirft ihr diesen Wunsch zurück.

„Einen guten Weg!“

Ich nahm wieder den Gang auf und lief weiter. Etwas in mir sagte zu mir: „Kai, dreh dich jetzt, genau jetzt um!“
Als ich aus diesem tiefen Impuls heraus stehen blieb und mich umdrehte, blieb auch sie abrupt stehen und sie drehte sich zu mir um. Wir schenkten uns die schönsten Blicke der Welt. Sie lächelte und ich erwiderte ihr Lächeln, mit meinem Lächeln zu ihr. Die Zeit blieb einfach stehen, als ob sie in einer riesigen Seifenblase eingefangen wäre. Unsere Körper ca. 10 Meter von einander entfernt. Unsere Herzen in diesem Augenblick vereint. Liebe Traumfrau, Dankeschön für dies himmlische Erlebnis. Lieber Camino, auch dir, ein Dankeschön für den Seelenspiegel und das Aufzeigen der spontanen Verliebtheit! WOW. Diese Begegnung bleibt mir erhalten und nimmt mir niemand mehr auf der großen ganzen weiten Welt mehr weg. Lebendig sein, Dasein und Einzigartigkeit. In meinem bisherigen Leben sinnierte ich über das Verliebtsein, meist Tagelang, Wochenlang, dies ohne Ergebnis dazu. Warum verspürt die Frau die ich liebe, keine Verliebtheit in mich !?
Diese Situation hier und jetzt gibt mir die Energie zum weitergehen. Gefangen und gleichzeitig frei, in diesem Moment unserer Seelenbegegnung war uns beiden klar, dass sich unsere Wege wohl nicht unterschiedlicher entwickeln können. Ich auf dem Camino nach Santiago de Compostela und sie, sie die Traumfrau auf dem Weg zurück in Richtung Heimat.

Doch 2 Fragen bleiben mir ein paar Wochen erhalten: „Gibt es Liebe auf den ersten Blick wirklich?“
Oder ist es eher: „Die Verliebtheit auf den ersten Blick?“

Die Liebe kann niemand richtig definieren und am beschreiben ist man ihr nahe gekommen. Die Liebe ist kein Gefühl. Die wahre Liebe ist und lässt sich nicht fassen. Man kann sie jagen und dabei versagen …
Verliebtheit kennt so mancher und kann sie klar und deutlich beschreiben.
Die Verliebtheit kommt und geht. Die Liebe bestimmt selbst ihren Weg. In meinem Herzen ist schon lange jemand, außer mir und sie möchte mich nicht haben.

Langsam aber sicher begreife ich etwas mehr. Doch bin ich als arrogant, ein Angeber und ein Narr.
Ich bin verrückt, offen und ehrlich. Ich bin ein Pilger und ein Geschichtenerzähler.

Ich bin Mensch.

Ja dann weiter und weiter …

Buen Camino 🙂

Pilger Kai

P.S.: oft wurde mir im Vorfeld zugetragen, (unterwegs dann auch) dass man sich mindestens einmal auf dem Jakobsweg verliebt. Bei mir war es so!

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