Von Pamplona nach Puente la Reina (Teil 1)


Erstaunlicherweise schlafe im Schutz eines der vielen Steinbögen der Brücke sehr gut. Erst um 8 Uhr krieche ich aus dm Schlafsack und verstaue alles erneut in meinem Rucksack. Auf meine Wunde unter dem linken Fuß bin ich mal gespannt, die offene Blase überklebe ich mit einem Compeed Blasenpflaster, zum Glück war ich im Vorfeld nicht ganz so naiv und habe für den Notfall vorgesorgt. Bevor es mit dem Pilgertag losgeht werfe ich nochmals einen Blick auf ein mögliches Tagesziel im Outdoor Reiseführer. Da ich heute schon auf den vorgeschlagenen 4 Tagesabschnitt gehe, mein Fuß mit der Wunde mir Sorge trägt folgt der Beschluss heute am 3 Tag nur bis Puente la Reina zu gelangen. Drei Tage und 95 Kilometer sind trotzdem ein Wort.

Auf dem Weg aus Pamplona raus stehe ich manchmal ziemlich ratlos da und finde keine Markierung mehr, es zieht sich und um 9 Uhr bin ich los. Als ich so gar nicht mehr weiter weiß treffe ich einen Spanier und spreche ihn mit meinem Schulenglisch an. Als ob es mir auf der Stirn geschrieben steht … folgt seine Antwort auf Deutsch. Anfänglich führt der Weg viel über geteerte Pisten. Bei einer Rauchpause überholen mich zwei Mädels und wir grüßen uns mit: „Buen Camino.“
Erst als ihre Silhouetten schon fast schon am Horizont verschwinden, wird mir klar, dass diese Beiden auch im Bus von Bayonne nach Saint-Jean-Pied-de-Port saßen. Vielleicht sieht man sich ja wieder!? Im kleinen Dorf Cizu Menor rieche ich schon förmlich mein kommendes Frühstück. Ein Laden zum einkaufen ist gleich gefunden, nun liegend auf einer Grünfläche gibt’s Joghurt, Backwaren und frisches Obst. Oh und ja, der Pilgertag kann weiter gehen. Meine Wunde am Fuß bleibt (noch) erstaunlich ruhig, ich merke zwar, dass ich den Fuß automatisch entlaste und mehr rechtslastig mich fortbewege, aber es ist Ok und die Schmerzen befinden sich in einem vernünftigen Rahmen.

Der Camino hinauf und über den Bergzug bei Alto del Perdón über den Sierra del Perdón (Berg der Läuterung) wird von Meter zu Meter schöner. Die Teerwege werden zu Waldwegen und zu Geröllpisten. Ich bin über die knöchelhohen Wanderstiefel gerade gottfroh. Der Weg bergauf ist ein Traum und unbeschreiblich schön. Durch Felder hindurch in denen vereinzelnd Mohnblumen mit ihrem schönen Rot ins Auge stechen. Beim Stehenbleiben und zurück blicken ist Pamplona und die Schönheit der Landschaft fast schon zum einatmen und liebhaben. Ich bin gerade ziemlich glücklich hier auf dem Jakobsweg unterwegs zu sein. Ich werde von zwei Mountainbikern überholt und wir grüßen uns mit Pilgergruß. Diese Zwei auf hochwertigen Bikes haben auf dem breiten Feldweg mächtig zu schaffen, viel schneller als ich zu Fuß mit Rucksack sind sie nicht wirklich. Langsam komme ich dem Alto del Perdón näher und die Geräusche der vielen Windräder trägt der Wind in mein Ohr. Die beiden Biker werden von mir überholt, anscheinend können sie wirklich nicht schneller. Kurze Zeit später überholen sie wieder mich, nun fällt mir etwas auf, ihre Räder verlieren ständig den Bodenkontakt und dies kostet unwahrscheinlich Energie. Mit einfachen Englisch versuche ich den beiden Spanier oder Italiener das Problem nahe zu legen.

„you have too much air in your bicycle tires . characterized it loses contact with the underground and the costs force!“

Ich weiß zwar nicht genau ob mein Gerede so richtig ist, aber ich weiß aus eigener Erfahrung von was ich rede, da ich selbst ein erfahrener Mountainbiker bin. Weniger Luft in den Reifen federt den steinigen Untergrund deutlich ab und der Bodenkontakt wird gleichbleibender hergestellt.
Von den beiden gibt es keinerlei Reaktion auf meine Worte, ein, mein letzter Versuch.

„let air out of the tires to suspension!“

Ach egal, ich ziehe an den Beiden vorbei und gehe meinen eiges Tempo bis zur Ankunft oben bei den mächtigen Skulpturen eines Pilgerzuges. Zur großen Überraschung sind hier einige Pilger versammelt und schauen im Ruhen auf die umliegende Landschaft. Ein mobiler Verkaufsstand verhilft mir zu einer eiskalten Cola. Natürlich pausiere auch ich hier und übe mein Laster, dem Rauchen meiner selbstgedrehten Zigaretten. Einige Pilger massieren sich gegenseitig und tun sich Gutes an. So einfach … so schön kann das Leben sein.

Der Abstieg ist mörderisch und führt über noch viel schlimmere Geröllpisten hinab vom Berg, erst im unteren Teil bis dann zum nächsten Ort Uterga wird’s angenehmer. Zum Glück sind meine Wanderstöcke mit mir mit dabei.

(Fortsetzung folgt)

Buen Camino 🙂

Pilger Kai mit ❤

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