Pamplona und die Wollsocke. (Teil 3)


Meine Ankunft in Pamplona greifbar nah, in einer Rechtsschleife geht es zwischen den alten Mauern hoch in die Stadt. Ich bewundere dies Festung auf dem Hügel mit ihrer schönen alten Häusern und dem historischen Jakobsweg quer durch die Stadt. Irgendwann finde ich mich auf einem großen Platz wieder, dies umringt von Menschenmassen. Nieder gelassen auf einer Parkbank komme ich auf die blöde Idee nach freiem Wlan zu schauen und prompt surfe ich ziellos im Netz. Seit Bordeaux war ich nicht mehr online, die Anzahl an Nachrichten in Form von Mails, PN´s und sonstigen Nachrichten erschlägt mich gerade. Zeitfresser hoch Zehn. Nach der Pause verlaufe ich mich etwas in den Gassen der Stadt, nachdem ich einen spanischen Polizisten nach dem Weg frage, ist der Weg wieder zu finden. Dann fällt mir mein Pilgerausweis und der fehlende Stempel ein, eigentlich möchte ich nur noch raus aus der Stadt und mein Zelt aufbauen. Im Reiseführer lese ich von einer großen schönen Herberge und bewege mich mit samt Popo doch noch dorthin. Stempel ab in den Ausweis und weiter geht die Reise ins Getümmel der Menschen. Die Sonne steht schon tief am Himmel, sie verschwindet bald gänzlich, doch wo pennen?

Mittlerweile ist es 21 Uhr und ein Thermostat zeigt immer noch 30 Grad an Lufttemperatur an. Ich schwitze, stinke und bin ziemlich planlos, dazu müde. Seit einigen Kilometern spüre ich etwas am linken Fuß, ich reagiere nicht darauf. Irgendetwas stimmt da nicht. Nach einer weiteren kurzen Rast und dem Nachschlagen im Reiseführer entdecke ich die Zitadelle auf dem kleinen Stadtplan darin. Daraufhin mein Impuls dort versuchen zu nächtigen. Stierkampfwochende wird sein, dies entnehme ich den Worten einiger Touristen. Das erklärt mir auch die Menschenmassen hier in Pamplona. In der Kartenansicht erkenne ich das Sechseck der Zitadelle und es erinnert mich sofort an die Städte im französischen Baumeisters Vauban. Meine Intuition führt mich fast direkt dorthin, ein weitergehen in die Nacht erscheint mir als unmögliches Ziel. Aus dem fast direkt … wird doch wieder ein Umweg und nach dem Hilferuf an einen spanischen Mann wird mir mein Standort gezeigt. Jetzt weiß ich wieder, dass der Weg mir hilft. Der erste Torbogen der Zitadelle wird passiert und alles sieht gleich aus, quasi der Stern an Gebäuden und Mauern. Mein jetzt schmerzender Fuß zwingt mich zum humpeln. Nach dem erreichen des Zentrums der Zitadelle wird der Mangel an fehlender Möglichkeit zum nächtigen deutlicher. Also doch noch ein paar Meter weiter. Ein weiteres Tor, eine Brücke über einen graben und dann scharf nach rechts, die Treppe hinauf und gut ist. Oben auf der Mauer pflanze ich meinen Arsch nieder, ziehe zuerst den rechten Schuh aus, dann den Linken, der Fuß mit Schmerz zeigt eine 2 x 2 cm große Blase unterhalb und in der Mitte der Zehen. Scheiße !!! Wie konnte das passieren ??? Mit dieser Wanderschuh- und Sockenkombination ging ich um den Bodensee und durch´s Gebirge von Korsika. Ohne eine einzige Blase …

Achtsamkeit wird belohnt und Unachtsamkeit unweigerlich bestraft. Anfänger Fehler, nicht irgendeiner, sondern meiner. Vorsichtig entferne ich die Feuchtigkeit aus der Blase mit einem Messerstich picke ich sie zuerst auf. Wind kommt auf, ein Windstoß lässt die eine Wollsocke fliegen. Der Graben vor mir ist von der Mauer aus noch vieles an Tiefer. Shit. Ganz viele Fragen mit dem berühmten „W“ kommen auf …

Wo schlafe ich heute Nacht?

Wie komme ich an meine Wollsocke wieder ran?

Warum passiert mir das gerade?

Werde ich meinen Weg weiter gehen können?

Wird meine Socke noch da sein, wenn ich einen Weg in den Graben gefunden habe?

Scheiße, Scheiße und abermals Scheiße … !!!

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