Pamplona und die Wollsocke. (Teil 2)


… es meldet sich mein gebrochenes Herz.

„Es schreit, es flucht, es pocht, es spricht … und ich sehe DICH.“

Dabei hatte ich nur wirklich ganz kurz an dich gedacht. Seit Mai kurz vor deinem Geburtstag, sagte ich dir endgültig Adieu. Einen Brief von unterwegs auf meiner Reise werde ich dir noch schreiben und dann ist der Vorhang endgültig gefallen, kein neues Kapitel mehr. Zu oft hast du mich kommen lassen und dann wurde es dir zu nah und du gingst, teilweise unfair zu mir und meiner Person gegenüber. Wusstest du auch keinen Ausweg / keine mögliche Lösung … einen Weg zu mir und zu dir, letztendlich vielleicht zu einem WIR ???

Diese „fucking“ Hitze hier im Juli in Spanien der letzten 2 Tage und dazu obendrauf die Gedanken, angeregt durch die wiederkehrende Begegnungen mit den Frauen, diese welche auch einen Herzschmerz in sich tragen. Der Camino und ich sind mittlerweile gute alte Freunde, ich mag deine Tiefe, du Weg mit langer Geschichte! Meine Wunde vom Treppensturz blutet nicht mehr, oha, fast unbemerkt ist mein Missgeschick von den Stufen auf dem Weg verschwunden. Gefühlt lässt uns der Camino leiden, oder eher nur gedacht, was weiß ich. Ich gehe weiter und weiter. Leiden kann auch Spaß bereiten, bin ich in den letzten Jahren zum Masochist mutiert!? Für die meisten Pilger ist der Tag im Gehen nun schon zu Ende und die vorgegebenen Tagesetappen, nach 2 Tagen mit 52 zurückgelegten Kilometer mehr als ausreichend. Für mich noch nicht, mein Kopf ist total voller Gedanken an die Vergangenheit und ich denke einfach zu viel nach. Manchmal ist es gut alleine zu gehen und wirklich niemanden zu treffen. Du Sonne prügelst gnadenlos auf mich nieder. Weiterhin unterwegs begleiten mich oft 10 und noch mehr Schmetterlinge. Wunderschöne Libellen fliegen elegant durch die Lüfte. Vögel die ich nicht kenne trällern ihre Lieder und kreuzen dabei den Flugraum der Libellen.

Ich komme an einen Fluss, mein Gedanke wird zur Tat. Die verschwitzten Kleider vom Leib und ab, ab nackt in das kühle Nass. Welch Wohltat an diesem Sommertag. Darauffolgend setzte ich mich in den Schatten der Bäume am Fluss, verspeise mein eingekauftes Obst und genieße mein Alleinsein am Wasser mit den Sonnenstrahlen im Gesicht. Einfach, Einfachheit durch Auszeit.

Der Kopf ist leer geworden und ich fühle mich mit dem Herzen nun ganz frei. Kurz mal im Reiseführer geblättert stelle ich fest, dass die Wegstrecke bis zum nächsten Ort Arre/Villava noch in etwa 12000 Meter beträgt. Bis Pamplona kommen nochmals 4-5 Kilometer obendrauf. Wenn ich das noch wirklich packe … liegen 2 Tage Camino Frances mit 70 Kilometer hinter mir. Buen Camino und weiter geht’s mit Meditation im Gehen.

Eine Sicherung im Hirn brennt durch, dadurch gehe und gehe ich ohne zu denken. Wie in Hypnose erlebe ich die Natur um mich herum gerade, nämlich gar nicht. Schritt um Schritt knirscht der Untergrund unter meinen knöchelhohen Wanderstiefeln.

Um 17 Uhr 30 bin ich in Arre / Villava angekommen … meine Sicht der Dinge ist verschwunden. Keine Pause und keine Lust zum etwas aufzunehmen von der Umgebung, der Stadt. Doch kurz stoppe ich und fülle meinen Tabakvorrat auf. Bin etwas überrascht über die gute Auswahl an Tabak ohne Zusätze und die Filter aus Zellstoff gibt es hier auch. Mein Körper folgt der müden Seele und die Schnitzeljagd nach den gelben Pfeilen führt mich weiter. Ganz ungewohnt sind die vielen Menschen, die Autos und ihre stinkenden Abgase. Mein Energiepegel sinkt, dass kann ich noch wahrnehmen. Pamplona wo bist du, du mein Ziel. Hoppla, wo schlafe ich überhaupt in der Stadt? In einem Park? Gehe ich doch in eine Albergue?

Lass mal sein die Gedanken und komme zuerst einmal an …

 

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