Vater und Sohn auf dem Camino.


Jetzt hat mir der Camino zum ersten mal eine Pilgerfreundin gebracht, mit der es vom Tempo und den Pausenzeiten super gut passt. Nach den ersten gewechselten Worten kam sie mir gleich sehr vertraut vor. Trafen unsere Seelen sich in einem vorangegangen Leben vielleicht?
Die 6 Kilometer bis nach Villafranca Montes de Oca sind fantastisch, reife Kornfelder, dazwischen Felder mit Sonnenblumen. Haufenweise Schmetterlinge und Wildblumen in Violetttönen entlang des Camino. Herrlich, mein Herz geht auf, es heilt, blüht auf! Die Distanz von 256 Kilometer ist zurückgelegt. Nach dem gemeinsamen Einlaufen in den Ort kommen wir an einem 3 Sterne Hotel vorbei. Das historische Gebäude beherbergt nicht nur das Hotel, sonder auch eine Pilgerherberge im hinteren Gebäudekomplex. Die Mauern ums Grundstück herum haben eine magische Anziehung auf den Pilger Kai, am Torbogen angelangt, strecke ich neugierig meine Nase hindurch und bewege meinen Körper hindurch. Erst möchte ich weiterziehen und wieder in meinem Zelt schlafen, doch dann verlockt es mich doch hier zu bleiben und ich überlege, ja oder nein!? Ach ja, einen Mann hatte ich auf Englisch von einer großen Regenwahrscheinlichkeit am nächsten Morgen reden hören. Ein nasses Zelt einzupacken ist immer Mist.

Die Menschen sind sehr freundlich und eine angestellte an der Bar nahm mein Handy zum laden entgegen. Ich gönne mir eine kalte Cola für 1,70ig und sitze nun in der Sonne auf einem Stuhl auf der Terrasse. Während dem Toilettengang habe ich den Beschluss gefasst, hier zu nächtigen. Meine erste Nacht in einer Herberge, wie spannend. Hoffentlich hatte Hape Kerkeling deutlichst überspitzt von den Herbergen in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ geschrieben …
Nach dem Einchecken und Stempel für den Pilgerpass holen bezahle ich auch gleich mein erstes Pilgermenü auf meinem Camino. Dieser Ort hat einfach eine gute Energie und ich fühle mich mit samt Herz pudelwohl und hier gut aufgehoben. Mein weiterer Tagesplan, die Konturen meines Bartes zu rasieren, meine Sachen von Hand zu waschen und zu duschen, heiß, lange und meine Erste nach 8nTagen mit Katzenwäsche an den Brunnen.

Beim Wäsche aufhängen im Hof entdecke ich neonfarbene Wildnelken, einen wunderschönen Pfau und zwei Katzen. Der Ort hier will förmlich meine Anwesenheit, so empfinde ich es. Viele Dinge ergeben sich zum ersten mal hier. Auch den Paradiesvogel vom Camino sehe ich hier auf einem Liegestuhl liegend und sich ausruhend.

Der Abend bricht an und ich genieße die Atmosphäre im Gewölbekeller, mir gegenüber eine wunderschöne Schwedin in einem Kleid. Wir speisen zusammen gemischten Salat, Gulasch mit einigen Pommes und als Nachtisch gibt’s Tiramisu. Dazu Vino Tinto für meine Begleiterin und reichlich Wasser für mich. Mein Kennenlernen des Pilgermenüs für 12 Euro an Geld erweist sich als Gaumenfreude. Unsere Unterhaltung wird auf Englisch und auf Deutsch geführt. Wie sich herausstellt hatte sie schon einige gut bezahlte Job´s in Deutschland bei großen Unternehmen in den Führungsebenen, dazu war sie als Soldatin im Jugoslawienkrieg auf dem Balkan. Sie wirkt nicht nur sehr gebildet, sie ist es auch! Am nächsten Tag wollen wir zusammen die 40 Kilometer bis nach Burgos in Angriffe nehmen. Leider ist ihr Zeitfenster nicht ganz so groß wie meines. Von Burgos wird die Schwedin mit dem Zug die 200 Kilometer bis nach Leon reisen. Nach der schönen gemeinsamen Zeit zieht sie sich zurück um im Internet sich bei Freunden und ihrer Familie zu melden. Danke an dich. Ich bleibe dem Internet lieber Fern und genieße die Zeit unter freiem Himmel mit mir und den sich langsam aber sicher zeigenden Sternen.

Ein Spanier ca. 40 Jahre alt kommt auf mich zu und spricht mich mit sehr schlechten Englisch an. Ich mag ihn auf Anhieb, dann fällt mir sein Tattoo am rechten Innenarm auf. Der Namen seines Vaters und das Jahr 2013, in dem der Vater ging. Ich zeige ihm die Unterschrift meines im Jahr 2010 verstorbenen Vaters, tätowiert auf meinem linken Innenarm. Mit Händen und Füßen unterhalten wir uns, mein Spanisch ist gleich null, sein Englisch leider auch …

„Wo fängt die Geschichte eigentlich an und wo hört sie auf !!!???“

Es stellt sich heraus das wir viele Gemeinsamkeiten haben und er sich einen Traum erfüllt. Nicht nur sich … auch seinem 9 Jährigen Sohn. Er wollte immer den Camino de Santiago mit seinem Vater gehen, dazu kam es leider nicht! Ich hatte diesen Traum auch, aber erst nach dem schmerzvollen Tod 2010 von meinem geliebten Vater. Er geht einen Teil des Weges mit seinem 9 jährigen Sohn. Ach wie süß, mir kommen fast die Tränen. Wie geil ist das denn???
Da die Mutter keinen Urlaub bekam um mitzugehen, sind Vater und Sohn alleine Unterwegs. Was sein Junge nicht weiß, dass die Mutter am nahenden Wochenende mit dem Bus nach Burgos anreist und den kleinen Mann überraschen wird!!!

Nun ist genug mit Zurückhaltung meiner Tränen, ich heule kurzzeitig Rotz und Wasser …

Sohn mit Vater auf dem Camino

Buen Camino 🙂

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