Aufbruch ans Ende der Welt (Finisterre) Teil 4


Nach der Zeremonie mit den einzelnen gesungenen Nationalhymen folgten viele herzliche Umarmungen. Dann der Abschied mit buen Camino euch 2 !
Die Adressen sind ausgetauscht und unsere (jetzt) verschiedenen Wege gehen weiter. Traumhaft schönst wird der Weg nun, Berg hoch auf einem breiten Weg, unten im Tal ein Fluss. In mir arbeitet der Abschied etwas und ich Frage mich ob wir uns wiedersehen? Schließlich laufen wir uns im Dreieck entgegen. Dreieck, Weggabelung Finisterre und Muxia. Der heilige Jakobus wird es wissen und den Weg aufzeigen … oder auch nicht. Viktors Geschichte vom ehemaligen Heroinabhängigen zum Weg des Pilger, dem Leben gegenüber clean, geht mir auch sehr nahe. Ich erfreue mich über unsere Begegnung. Ehrliche tiefe Worte vom Mund zum Herz, darauf stehe ich, dafür liebe ich das Pilgern. Zeit, Zeit um sich auf besondere Art zu begegnen. Bei einem kurzen Halt zieht der Schwede Viktor seine in Santiago de Compostela neuerworbene kleine Box aus dem Rucksack. Per Bluetooth angesteuert flog uns Musik von Viktors Handy bald um die Ohren. Der Weg wird nun leicht abschüssig, wir tanzen, lachen und unterhalten uns. Viktor lässt eine Playlist von Evergreens laufen. Bei dem ein und dem anderen Song kommt die Melancholie in mir zum Vorschein. Teilweise erinnern mich die Titel an vergangenen Lieben, Momente gelebt, gespeichert in der Musik vom damals. Wir erreichen einen kleine Kapelle und zum Glück sitzt dort eine spanische Dame und verkauft kalte Getränke aus der Kühlbox. Dazu noch diverse Sandwiches. Genial und grandios. Innerhalb der Gruppe und in der Pause finde ich den Schlüssel der Verbundenheit mit Jana aus der Slowakei. Sie ist glücklichst verheiratet, ihr Mann kümmert sich um die Kinder in den Schulferien und innerhalb ihrer ganz persönlichen Auszeit. Die Beiden können sich frei lassen und sind im Herzen tiefst verbunden. Liebe.

Im Gespräch kommen wir auf das Thema Eltern und da ist die offene Türe. Ich habe meinen Vater über einen Zeitraum von sechseinhalb Wochen in den Tod begleitet. Jana ihre Mutter im Zeitfenster von 6 Wochen. Ich versteh plötzlich wieder die Intensität des Camino, diese Art von Anziehung ist mir nicht fremd aus dem Leben in der Heimat. Doch hier auf dem Weg ist vieles, NEIN, alles viel intensiver. Vielleicht weil wir uns die Zeit dazu nehmen, die Zeit zum reisen, reisen in die Vergangenheit … Ich spüre mein Vertrauen zu ihr und versuche ihr meine Sehnsüchte zu erzählen, zu erklären. Sie versteht mich. Das letzte gesprochene Wort von ihr ist: „Kai vertraue, deine Lernaufgabe!“ (Anmerkung beim schreiben gerade, ich habe die Aufgabe begriffen und knabbere immer noch daran, diese Lektion ist noch nicht durch)

Ein Italiener findet, und eine großgewachsene Asiatin finden zu uns. Irgendwie merkt man, die haben eine Verbundenheit. Doch gerade ist Schicht im Schacht. Er dreht sich eine Kippe und hat kein Feuer zum diese welche anzuzünden. Mein Impuls, ich stehe auf und schenke ihm meine Zündhölzer. Auf dem Teilstück der letzten gegangenen Kilometer trafen wir uns. Er ging vor ihr zügig hinweg. Der Eindruck seiner Verletztheit täuschte mich nicht. Auf den weiteren 9 Kilometer bis Cee kamen beide wieder ans uns vorbei. Das Blatt wendete dich. Eine stolze Frau machte das / ihr Tempo und ein ehemaliger stolzer Italiener dackelte nach. Was die Beiden wirklich hatten weiß ich nicht, der Eindruck aus der Situationskomik bleibt erhalten.

Ich merke das Tempo in der Truppe lässt nach und mein Einlassen darauf wirkt schwer nach. 12,5 Stunden gemeinsam angeglichen im Tempo ist für mich hart. Es war spaßig und schön. Trotzdem überkommt mich eine Schwere. Nun eröffnet sich der Weitblick auf´s Meer. Alle Schwere geht von dannen. Viktor wechselt den Song aus und was läuft nun?

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