Aufbruch ans Ende der Welt (Finisterre) Teil 1


Die Festwoche in Santiago de Compostela ist zu Ende. Der Ruhetag tat gut. Trotzdem zieht es mich weiter und ich möchte wieder die Freiheit des Gehens in mir spüren. Das grandiose Spektakel des Feuerwerks bestaunte ich in der Altstadt und die Raketen erleuchteten die dunkel Nacht. Über der Kathedrale ein Farbenspiel ohne Gleichens. Diese wunderschöne Erinnerung begleitet mich nun auf dem Weg bis ans Ende der Welt. Es ist Sonntag, den 26. Juli 2015 meine Nacht im Einzelzimmer für 24 Euro mit kleinem eigenen Bad war so lala. Ein merkwürdiger Traum vom Moped zu frisieren hängt mir irgendwie deutlich nach. Er war so unklar und eine Bedeutung fühle ich keineswegs. Nur das Kernthema ist wirklich da. Um 9 Uhr habe ich Compostela verlassen, meinen Rücken gekehrt, dies mit Gewissheit wiederzukommen. Nachdem ich die Stadt verlasse und die Natur mich wiederfindet fühle ich mich wohler, lebendiger. Einige Zeit später treffe ich die Kanadierin mit der ich über die Schmetterlinge am Wegesrand mich unterhalten hatte, dies vor vielen vergangenen Tagen. Die verstorbenen Seelen und in der Metamorphose zurückgekehrt auf den Weg. Unsere erste Begegnung fand im Bus in Frankreich statt. Wir reisten im selben Bus von Bayonne zum Ausgangsort Saint-Jean-Pied-de-Port an. Unterwegs auf dem Camino Frances verstanden wir uns prächtig, doch unser beider Rhythmus ließ sich nicht auf längere Zeit im Gleichgewicht halten. Diesmal noch kurzer als zuvor. Wir sahen uns nie wieder, aber unsere Geschichten fanden andere Pilger des Weges und mir wurde eine davon am Ende der Welt in einer Pizzeria zugetragen. Ich staunte nicht schlecht. Du Weg, geheimnisvoll, einzigartig, magisch, mystisch und doch real.

Pilger Kai geht sein Tempo weiter und lässt sie sein und ihren Weg mit dem eigenen Tempo füllen. Gefühlsduselei kommt in mir auf, ich denke zurück an eine Frau in Deutschland und unsere gemeinsame Zeit. Je weiter mein Herz räumlich von ihr weggeht … gibt es Momente auf dem Jakobsweg, da ist sie zentriert mitten in meinem Herz. Die Lektion, die zwischen fühlen, denken und beides lenken zu wollen. Was geht, was geht nicht!? Nach weiteren gegangenen Kilometern durch Eukalyptuswälder, zart duftend im Nieselregen Galiciens, taucht die erste Bar auf und die Möglichkeit des Einkehrens nehme ich war. Zum Cafe con Leche spreche ich mit Schulenglisch einen Zeitung lesenden Spanier an und erkläre ihm meine Aktion vom Lotterielos „ONCE“ und er versteht mich nach etwas Anlaufschwierigkeiten ganz gut. Meine „Glücksnummer“ wurde nicht gezogen. Ich empfand es als Glücksgriff und bildete mir darauf etwas ein. Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Welch Programmierung aus den vergangene Lebensjahren, wie oft hat jeder von uns diesen Irrsinn schon gehört und gehofft?

Nach der Pause zum trocknen ging´s weiter den Weg und mein Herz schlägt nach ihr. Um Gotteswillen, ich liebe sie immer noch. Ein / mein Weglaufen gelingt mir nicht wirklich. Das Schicksal ist nicht beeinflussbar wird mir schnellstens im Kopf klar. Wie liebend gerne hätte ich jetzt gerne ein Wesen an meiner Seite, nicht Eines. Sie und meine Hand, Hand in Hand mit ihrer.

Der Camino schickt mir wenig später die Antwort …

Ein Pärchen im hohen Alter pilgernd Hand in Hand hole ich ein und begrüße die beiden mit dem Pilgergruß „Buen Camino!“ Es dauert nicht sehr lange und meine Augen spucken förmlich die Tränen aus. Der Himmel fängt nun auch an zu weinen, nun sind wir gleich zwei, Hand in Hand. Was hilft ist weiter zugehen und die Gefühle zu leben. Ich erhole mich von der Reaktion und Aktion. Es scheint wichtig zu sein, nein es ist wichtig hinzu fühlen, weiter zugehen. Ein Spanier steht an seiner Grundstücksgrenze und begrüßt mich. Sein Grund und Boden erscheint riesig, weit und unbezahlbar. Aus dem Gespräch heraus spricht er mich auf Deutsch an. Er hatte lange Zeit in der Schweiz seine Brötchen verdient und sich damit das Anwesen in Galicien über die Jahre hinweg kaufen können. Bis zu diesem Zeitpunkt ist unsere Unterhaltung, freundlich, nett und eine Aufheiterung. Es schlägt mich um und zwar Schlagartig. Er fängt an von Politik zu reden und verflucht unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ich könnte gerade kotzen, ich gehe ….

… bis ans Ende der Welt. PUNKT und ohne Komma.

Buen Camino

Pilger Kai ❤

 

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