Don´t stop walking …


Don´t stop walking …

so und so erging es mir an vielen Tagen auf dem Camino. Lese gerade wieder in einem meiner Tagebücher vom Weg durch Spanien. Heute bin ich müde …

Weiter geht’s an einem Stück 16 Kilometer, lange Streckenabschnitte geradeaus. Laufend die Hügel hinauf und wieder herunter. Die Sonne sticht vom Himmel nieder zum Glück trage ich immer den Hut auf meinem fast kahlen Kopf. Die Kornfelder werden mit großen Mähdreschern geerntet. Meine Schmerzen am Fuß spüre ich heute nicht, ich gehe und gehe. An diesem Nachmittag tauche ich in zwei Welten ein. Eine Reise in die Traurigkeit, die über die Vergangenheit und die Freude der Gegenwart sind meine einzigen Begleiter. Ansonsten ziehe ich es vor alleine zu pilgern. Mein verstorbener Papa taucht vor meinem inneren Auge auf, die Tränen fließen beide Wangen hinunter. Meine Mutter ist im nächsten Moment mir ganz nahe. Mein altes Leben versuche ich loszulassen und ins JETZT als Pilger auf dem Camino zurückzugelangen. Welch Zeitreise wow! Du Weg bist anspruchsvoll und stellst mir viele Fragen. Mein Kopf befüllt und entleert sich im Wechselspiel. Das Besondere daran an diesem Tag? Keine der gelebten Gefühlswelten tut wirklich im Herzen weh. Es ist das Gefühl der Heilung auf dem Weg zu mir.

In Santa Domingo de la Calzada lade ich mein Handy in der Herberge und ruhe mich etwas aus. Übernachten ist am Fluss am Ortsausgang im Zelt geplant. Ich schreibe mit meiner Schwägerin ein paar SMS und rufe meine geliebte Mutter an. Ihre Stimme zu hören ist gut und klingt nach Musik für´s Herz. Ich besichtige den Ort etwas und lande an einer Eisdiele, 2 Kugeln leckeres Eis für schlappe 6 Euro. Na na reinfallen gehört wohl auch mal dazu!? Siesta auf einer steinernen Parkbank im Schatten bis 17 Uhr. Dann finde ich ein kleines Geschäft und kaufe ein, etwas frisches Obst, Gemüse, Backwaren und 1 Liter Orangensaft. Nachdem ich alles im Rucksack verstaut hatte lief ich zum Ortsausgang und sah leider nur ein ausgetrocknetes Flussbett. Nun ja, hier habe ich keinen Bock zu nächtigen, nach einem kurzen Blick in den Reiseführer kam die Gewissheit zu einem weiten weiteren Weg. Don´t stop walking …

Selbst nach18 Uhr brannte die Sonne auf die trockene Erde mächtigst nieder. Der Schweiß lief mir aus allen Poren. Der Einkauf mit dem zusätzlichen Gewicht spürte mein müder Körper deutlichst. Der Camnio verlief nach weiteren Kilometern an der Autobahn entlang. Nicht schön und gar nicht gut für die Moral. 8 Kilometer weiter im nächsten Ort Grañón fand ich einen Brunnen mit gutem Wasser. Herrlich, wie köstlich einfaches Wasser sein kann. Meinen Körper habe ich so gut es ging mit dem Brunnenwasser vom Schweiß des Tages gereinigt. Dieser Ort wirkt ziemlich ausgestorben.

Für´s Zelten auch kein guter Platz in Sicht. Also weiter und weiter bis zur Landesgrenze Landesgrenze Rioja / Kastilien, ca. 1 weiterer Kilometer zum gehen. Ich fand einen kleinen Wald und baute mein Zelt gerade noch rechtzeitig auf. Beim Abendbrot angelangt kam ein Gewitter auf und leichter Sommerregen kühlte den Boden ab. Glück gehabt und das Essen schmeckt gut. Jetzt noch kurz Fuß- Beinpflege und ab in den Schlafsack.

Bevor meine Lichter ausgehen schaue ich mit Hilfe der Stirnlampe noch kurz nach meinen zurückgelegten Tageskilometern und die Gesamtstrecke natürlich auch noch dazu.

43 Km an der Zahl und gesamt 226 nach dem 7 Tag …

… don´t stop walking!

Nicht nur ein Caminospruch … ein Programm und mein Programm 😉

Buen Camino

Pilger Kai ❤

 

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