Die blonde Sexbombe und das gebrochene Herz.


Tag Nummer 20 auf meinem Camino Frances, mittlerweile stecken 632 gepilgerte Kilometer in meinem Wesen. Körperlich geht’s mir sehr sehr gut und geistig blicke ich es manchmal nicht ganz. Ich denke mir geht es geistig sehr gut, dann sitze ich da und möchte eine einfache Nachricht in ein paar Zeilen packen, dazu benötigte ich eine Viertelstunde. Im Großen und Ganzen fühle ich mich gut. Mein einstmals gebrochenes Herz das vernarbt und heilt weiter, weiter auf dem Weg durch den Norden Spaniens. Bravo.

Das Abendessen ein Pilgermenü in Vega Valcarce war so lala. Der Abend ist noch jung! Was mache ich mit ihm? Ich laufe barfuß los in den Ort, meine kleine Herberge ist am Ortsanfang, gleich nach der großen Autobahnbrücke hoch oben über das Tal. Meine einzige Blase vom zweiten Pilgertag ist fast komplett verheilt, die Schwellung hervorgerufen durch meine Fehlstellung zur Entlastung auch gut verheilt. Also hopp auf und los ohne Wanderstiefel. Ich treffe den Spanier aus meinem geteilten Pilgertag wieder, er überließ mir das letzte Bett der Herberge und fand mit seiner ihm nachfolgenden Mutter zum Glück auch eine Unterkunft. Dann taucht SIE auf ….

Einen wunderbaren göttlichen Körper eingehüllt in ein schwarzes enganliegendes Kleid. Ziemlich figurbetont und untypisch für eine Pilgerin. Ich fange an zu schwitzen, mir wird ganz warm im Herzbereich. Das Denken nimmt mir der Camino. Ich staune und ein Karussell der Gefühle kommt in mir hoch. Ich setzte mich ins Karussell und drehe wild mit um meine eigene Achse. Schubstöße zwischen heiß und sehr kalt. Kai, was ist los mit dir? Ich setzte mich auf eine nahe kleine Mauer und finde mich wieder, zum Glück. Jetzt erleuchte ich und mir wird alles ganz klar. Die Antworten kommen zu mir. Sie ist es nicht, ihr erscheinen mein Schalter zur eigenen Geschichte, der Geschichte mit dem gebrochen Herzen. Diese blonde Sexbombe hat den Schalter umgelegt!

Mein Herz in meiner Brust spielt ganz klar verrückt. Warum? Auf meine lange Pilgerschaft brachte mich die Trennung hervorgerufen durch meine damalige Freundin im Jahr 2013. Dadurch überschaute ich mein Leben und änderte meinen Weg. 2 Monate später traf ich auf eine Frau, dies auf der Hochzeitsparty eines lieben Freundes. Ich fühlte mich sehr wohl auf der Veranstaltung und genoss jeden Augenblick. Durch´s herumwandern im Partysaal und den damit verbundenen Ortswechsel stand jemand neben mir und reichte mir ihre Hand. Es war die sexy Frau im roten enganliegenden Kleid. Ihren Namen konnte ich mir nicht merken, so geht, ergeht es mir sehr oft mit neuen Namen. Ich bin ein Zahlenmensch. An diesem ersten Abend konnte ich das Mädchen im roten Kleid gut loslassen, ich kannte unsere weitere Geschichte noch nicht.

Meine Liebe aus dem Moment zu ihr brachte mich zu meinem gebrochenen Herzen und ein weiterer Hinweis auf den Weg nach Spanien. Ziemlich verrückt, meine Gefühle, meine Gefühlswelten.

ZURÜCK … zum momentanen Augenblick!

Die Lady im enganliegenden schwarzen Kleid kam zu mir und setzte sich neben mich. Ich roch ihre Alkoholfahne schon von weitem. Was folgt nun, diese Frage drehte sich in meinem Kopf herum? Ich lasse mich erst einmal drauf ein, mein Weg. Der Camino kann so was von krass sein und noch deutlicher die Resonanz der Anziehungen wiedergeben. Ja, ist einfach so. Dann fing sie mit erzählen an … Die Wimperntusche ist durch viele Tränen verschmiert und verlaufen. Ihr Alter in etwa Anfang dreißig und sie stammt aus Südtirol. Mein Verdacht, sie hat Drogen intus noch dazu.

Gewollt möchte ich sie trösten und in den Arm nehmen, gefühlt kann ich es nicht und ich möchte weg von ihr, weg von ihrer und meiner Geschichte, die mit den gebrochenen Herzen. Mein Arsch bleibt neben ihrem auf der Steinmauer sitzen.
Vor einem Jahr verließ sie ihr langjähriger Lebensgefährte und dies mit einer zwanzigjährigen. Wohnung verlassen und alles zurückgelassen. Zukunft gemeinsam Adieu. Ihr Leben geplatzt wie eine große Seifenblase. Hoffnung begraben im Müll, der Müll gelandet auf der Müllkippe. Keinen eigenen Weg um da herauszukommen. (schade, wirklich sehr schade um diese junge Frau)

Ich möchte sie. Aber ein Kennenlernen auf diese Art, geht nicht. Sie sucht ihre Rettung, verzweifelt und zu tiefst verletzt. Ein Stück weit kann ich verstehen. Ihre Eltern und die besten Freunde wussten nicht mehr weiter und schickten sie auf den Jakobsweg. Nach einer Stunde des Zuhörens ließ ich sie zurück. Mein Weg der Heilung war gewollt, ihrer fremdbestimmt. Ich sah sie nicht wieder …

Die Frau im roten Kleid …

Die mich ein Stück weit auf meinen Weg brachte …

Traf ich erneut und wir beide sind im Frieden!

Buen Camino 🙂

Pilger Kai ❤

P.S.: Hoffentlich geht es Dir wieder gut!

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