Der Anruf bei Muttern.


Tag Nummer 22 auf dem Camino Francés geht zu Ende. Es sind noch 105 Kilometer bis Santiago de Compostela, dies fühlt sich in mir drin seltsam an. Ich freue mich auf die Woche an der Costa da Morte am Meer in Finisterre. Die Tage mit den Sonnenuntergängen zu bestaunen, dies im äußersten Westen Spaniens. Die Sonne sinkt in den Atlantik und geht wo anders auf der Welt wieder im neuen Tag auf. Tage kommen und sie gehen. An diesem Abend ist es um 22 Uhr noch Tag hell. Hier in der stattlichen Herberge schlafen 10 Menschen auf engen Raum in Stockbetten aus Metall. Die aus Holz sind mir deutlich lieber. Wenn sich einer im Bett bewegt so wackelt das untere und das obere Bett arg. Egal, ich bin hundemüde und schlafe nach dem Augenschließen gleich ein.

Mittwoch, den 22.07.2015

Den neuen Tag begrüße ich in im kleinsten Ort Barbadelo 4 Kilometer hinter Sarria gelegen.
Jemand hat über die Nacht wieder alle Fenster geschlossen hier in ist es wahnsinnig stickig und heiß im 2. Stockwerk der Herberge. Wie oft habe ich dies komische Spiel mit den Fenstern schon erlebt. Man ist mitten in der Pampas und es ist seelenruhig in der Umgebung. Draußen ist es dazu auch noch wesentlich kühler in den Nächten. Fenster auf und Fenster wieder zu. Ist dies eine Krankheit der Pilger!? Ich weiß es nicht.

Der letzte Abend bleibt mir gut in Erinnerung. Ich saß am Tisch mit zwei Frauen und es gab gutes Abendessen. Die Vera aus Holland traf ich an einem Tag bei Samos einige mal. Und die Italienerin Stefanie die kein Wort Englisch kann sah ich zum ersten und einzigen Zeitpunkt auf dem Camino zum gemeinsamen Abendessen. Vera pilgert schon 35 Tage lang und sie spricht Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Ein sprachliches Allroundtalent. Das kleine Lokal hatte gemauerte Wände aus Natursteinen und an den Wänden befanden sich Geldstücke aus aller Herrenländer. Ich folgte meine Neugierde und stellte dabei fest, dass die Geldstücke nicht befestigt sind.
Es gab tolle selbstgemachte Suppen, Salate und ein Stück Fleisch mit Pommes. Der Preis dafür sehr fair mit 10 Euro. Die beiden wundervollen Frauen geben mir und meinem Bärenhunger noch etwas ab und auch ich werde wirklich richtig satt. Nach dem Essen trefen wir uns schräg gegenüber an einem kleinen Cafe-Imbiss dort gibt’s den Cafe con Leche für nen Euro und da wir uns auf einem Hügel befinden … wunderschöne Ausblicke in die Gegend obendrauf. Die Nacht zieht herein und wir gehen schlafen.

Die meisten Pilger sind bei Zeiten losgezogen und haben einiges vergessen. Outdoorhandtücher, T-Shirts und Hygieneartikel. Ich lasse alles dort und packe nur mein Zeug, da fällt mir ein Funktionsshirt ins Auge. Es gehört Vera und ich packe es in meinen Rucksack. Irgendwie fühle ich unser Wiedersehen. Gegen halb 9 breche ich auf in meinen Caminotag. Die Landschaft ist abwechslungsreich, grün zart und schön. Hügelig, kurvenreich, dies mag ich voll und blühe auf in den Tag hinein. Das Wetter ist durchwachsen und es fängt an mit feinem Nieselregen. Auf Regenkleidung anziehen habe ich keinen Bock, es ist angenehm warm und die Funktionskleidung trocknet schnell. Von meiner einstmals großen Liebe kam eine Nachricht herein, sie hat jetzt eine Katze. Was passiert mir auf meinem Weg? Katzen ziehe ich an. Unglaublicher Zufall der mir zu fällt. Auch nun wieder steht ein rotes Katzentierchen vor mir und möchte meine Aufmerksamkeit. Sie bekommt eine ordentliche Ladung Streicheleinheiten bevor es weiter geht. Noch 3 Pilgertage bis Santiago de Compostela, weiter 3 bis nach Finisterre. Merkwürdige Vorstellung für mich.

Ich laufe wie in Trance durch die Gegend, schaffe es irgendwie mich von den Menschenmassen zu lösen. Die Warnung des großen Aufkommens an Pilger auf den letzten 100 Kilometer kam zu mir, jetzt spürte ich sie hautnah. Mein Magen gab Meldung: „Ich habe Hungergefühle in mir!“
Es ergab sich die erste Einkehrmöglichkeit und und ich traf Vera wieder. Nach der Übergabe ihres Funktionsshirts umarmte sie mich liebevoll und ließ ein liebes Dankeschön über ihre Lippen fließen. Ich stellte mich in die lange Schlange am Verkaufstresen, dann packte es mich und ich ging weiter. Zu viel, zu voll und weiter & weiter. Am Wegesrand immer wieder alte Kastanien und Eichen, wunderschön zum ansehen. Einige wenige 1000 Meter weiter die erneute Chance zur Einkehr und diesmal gemütlich und ohne viel Trouble. Ich setzte mich nach draußen vor die Bar und streckte meinen sieben Sachen, plus meinen Körper, in die durch die Wolken am Himmel kommende Sonne.
Ein Österreicher sprach mich an und wir plauderten ein wenig, damals kannte ich seine Geschichte nicht. (nach unserem Wiedersehen in Santiago de Compostela und einem gemeinsamen Abendessen in einer Tapasbar in etwas näher schon. Ehemaliger Söldner bei der Fremdenlegion auf Korsika)
Ich fing an zu spachteln und ein älterer Herr nahm den Platz am Tisch zu meiner Linken ein. Auf Anhieb gleich sympathisch und auch ein Deutscher. Mensch Kai, den kennst du woher, nur wo her?
Wir sprachen über den Tag und den Weg und das Wetter. Aber nicht so mit Tiefe diese Begegnung. Respektvoll, lustig mit viel an gemeinsamen Lachen. Die ein und die andere Anekdote kam über unsere Lippen. Ich kenne dich, dachte ich mir. Zum abschied der altbekannte Caminospruch: „Buen Camino.“

Die Landschaft an diesem Tage grandios und das Wetter erneut wunderschön nun. Nach 14 Uhr hatten dies meisten Mitpilger ihr Tagesziele erreicht und der Raum für meine Wanderschaft wurde größer. Die Trance kam zurück und sie hatte wieder Vorfahrt. Ich lief und lief und lief ….

Tage später traf ich auf einen Deutschen und er berichtete mir aufgeregt von einem zufälligen Treffen mit einem deutschen Prominenten aus dem Fernsehen. Meine Neugierde wuchs aus seinen Erzählungen heraus?

Dann meine Frage: „Wer es den gewesen sei???“

„Frank Elstner!“

Er zog seine Smartphone aus der Hosentasche und zeigte mir ein / sein gemeinsamen Foto mit Frank Elstner. Mir blieb meine Spucke weg …

Ich zog mein smartes Phone aus dem Hosensack, stellte den Flugzeugmodus aus und ich rief meine geliebte Mum an. Hallo Mum, ich hatte das große Vergnügen mit Frank Elstner zu frühstücken !!!

Muttern wurde ruhig und meinte: „Ehrlich mein Sohn, Kai !?“

Buen Camino 🙂

Pilger Kai ❤

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