Tage in Muxia. (Teil 1)


Mittlerweile haben wir den 1.August 2015 und mein 32 Tag in Spanien hat begonnen. Ich verlängere eine weiter Nacht hier in der Albergue Bela Muxía. Mein Körper und meine Seele schreien förmlich nach einem weiteren Ruhetag, schließlich marschierte ich sehr stramm 930 Kilometer im letzten Monat durch ein mir einstmals fremdes Land. Über berge hinweg und durch Täler hindurch. Ich genoss meine zeit als Pilger sehr und was mache ich nun? Geplant hatte ich 4 bis 5 Wochen Freiburg im Breisgau den Rücken zu zukehren. Zu vieles lief nicht so wie gewollt. Meine Kohle war auch nicht gerade üppig mehr da. Ansonsten wäre ich vor der Haustüre aufgebrochen. Jetzt sitze ich in Muxia vor der Herberge und möchte nicht mehr heim … Keinen einzigen Tag versprühte mein Herz das Gefühl von Heimweh. Das kannte ich bisher in meinen bald 42 Lebensjahren nicht und erst recht nicht, war ich jemals so lange am Stück unterwegs.

Eine Option hat der Kai im Gepäck, die tollsten weiblichen Beine des Caminos sind auf dem Weg nach Barcelona. Und wir stehen Dank Facebook seit neustem im Kontakt. Bis zum 6 August ist die tolle Frau aus der Tschechei noch in Barca. Soll ich, soll ich nicht !!!??? Das Frühstück wartet auf mich und damit verbunden mein Einkauf im Supermarkt. Trinkjoghurt, frisches Obst und süße Teilchen finden den Weg in meinen Magen. Ich schreibe mit ihr und bin am überlegen ihr nachzureisen. Doch ergibt das wirklich Sinn? Mein einstmals gebrochenes Herz ist dabei seine Wunden zu heilen, es vernarbt. Jetzt wieder das Risiko eingehen … nun ja, ich beschließe den Raum der Stille, in der Meditation aufzusuchen und dann eine / meine Entscheidung zu treffen. Zum meditieren wähle ich die Pilgerkirche A Virxe da Barca an der Costa da Morte. Nach meinem Weg dorthin scheitere ich an allen Versuchen in den Raum der eigenen Stille zu kommen. Es ist verdammt arg windig hier, ich breche ab und lasse meine Entscheidung erst einmal sein.

Zurück im kleinen Fischerort begebe ich mich in die Herberge und suche per Wifi nach einem Tabakladen und werde fündig. Mein Körper und meine Seele sind müde und ich dachte mir ich kann mir den Weg dorthin merken. Am Arsch hängt der Hammer. Ich suche und finde nicht. Ich laufe gefühlt im Kreis und dann kommt der Lichtblick um die Ecke und zu mir. Eine wunderhübsche Spanierin kreuzt meinen Weg. Groß gewachsen und lange kastanienbraune glatte Haare und dazu tief braune Augen. WOW. Mit „hola“ spreche ich sie an, dann mit meinem einfachen Schulenglisch. Dann fragt sie mich ob ich Deutscher sei!? Ich bin erstaunt und sage ja! Was kommt nun auf mich zu? Schweizerdeutsch vom allerfeinsten … Ich lache laut und freundlich ihr zu. Es stellt sich heraus, dass sie in Zürich aufgewachsen ist und ihre Familie noch in der Schweiz lebt. Oh Leben, oh bist du wunderbar. Sie fängt an mir den Weg zum Tabakladen zu erklären und sie unterbricht mitten drin und sagt zu mir: „Komme mit und folge mir.“ Eine Ecke weiter ist der kleine laden. Zum Abschied erzählt mir von einer nagelneuen Herberge vorne ums Eck, sie ist erst ein paar Tage geöffnet und sie arbeite dort. Nach meinem Tabakkauf entscheide ich sie zu suchen und sie zu finden. Es gelingt mir und ich staune zuerst über die brandneue super luxuriöse Albergue. Wir reden ganz offen und mit viel Tiefe. Das beeindruckt mich, Seelengefährten und eine nicht ungewollte Begegnung. Die Energie zwischen uns stimmte auf Anhieb. Ich erzähle ihr von meinem Gefühl zum Bücher zu schreiben, sie findet mich stark und unterstützt mein Bestreben. Wir gehen eine Facebookfreundschaft ein. Sie sucht mir einen passenden Flug nach Barcelona, die Möglichkeit ist möglich und sie würde mich 95 Euro kosten. Mit dem Bus könnte ich für 72 Euro nach Barcelona reisen. Wir sind wie Geschwister und erzählen uns vergangene Liebesgeschichten und unsere Lebensgeschichten. Gute Energie und unerwartet diese Begegnung von Herz zu Herz. Nach dem Rundgang durch die tollste Caminoherberge zeigt sie mir die Dachterrasse und ich blicke über Muxias Dächer hinweg auf´s Meer.

(Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht das ich nach der nächsten Nacht nicht mehr in der Albergue Bela Muxía wohnen kann, der Wunsch und die Liebe auf Muxia war geboren. Eine große Reisegruppe hatte vor reserviert. Und ich zog dann in die Albergue Arribada Muxía)

Viel Spaß und Freude beim lesen 🙂

Pilger Kai ❤

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