Vollmondnacht in Puente la Reina. (Teil 3)


Der aufgegangene Vollmond begrüßt alle Beteiligten mit seiner Vollkommenheit und wandert mit zeit am Himmel weiter. Die Frau mit der ersten unheimlichen mir erzählten Camino Geschichte taucht auf. Sie kommt gerade aus einer Pilgerherberge vom Abendessen und wollte sich noch etwas die Füße vertreten, also, hob runter zum Fluss. Ich merke deutlich, dass es ihr besser geht, ihre Mundwinkel formen sich zu einem Smiley. Unser Treffen und das Ballast in Form von gesprochenen Worten ablassen tat ihr gut. Ich konnte gut mit ihrem Ballast umgehen. Der Pilgertag kommt in die Ruhe und wir haben es gut am Rio. Jetzt kommt die Vanessa hinzu, eine Deutsche die den Tag über mit 2 Amerikanerinnen unterwegs war. Ein paar Worte wechselte ich mit den 3 Mädels über den Tag hinweg verteilt. Mein erster Eindruck: „Ein prüder müder Haufen!?“ Sorry, für meine Verurteilung und doch täuschte sich mein Gefühl nur bei Vanessa. Sie war lustig und genauso redselig wie wir alle anderen auch. Vielleicht tat der Camino und die gute Energie von Puente la Reina sein Übriges mit hinzu. Dann natürlich noch die Rolle des Vollmondes, schließlich bestehen erwachsene Menschen im Durchschnitt aus 65 Prozent Wasser, Frauen zirka 5 Prozent weniger. Da spielt die Konstellation von Erde und Mond schon eine tragende treibende manchmal auch unheimliche Kraft.

Die Zeit stehlt still und trotzdem vergeht sie. Die Nacht am Fluss ist fast schon Tag hell. Ein Felix taucht bei uns auf, er kommt gebürtig aus Oberfranken. Ich spüre ihn nicht gut, ist er einfach schon ziemlich angetrunken? Oder geistig nicht oben auf? Jedenfalls trinkt er Büchsenbier und setzt sich auch zu uns in die Pilgerrunde. Und was er von sich gibt ist eine Mischung aus Jammern über sein Leben in Deutschland und unerfüllte Sehnsucht auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Ich werde nicht schlau aus ihm, er möchte fast drei Monate die Strecke gehen und er schläft soviel ich verstanden habe meist in Pensionen. Irgendwann möchte er wissen woher ich in Deutschland komme? Meine Antwort: „Aus Freiburg im Breisgau.“ Dann wird er kurz ruhig und sagt zu mir ich komme vom Nachbarort Freiburgs mit „V“. Ich stehe auf von meinem Sitzplatz und gehe erst langsam weg von der Gruppe, dann renne ich 20 Meter, bleibe stehen und schaue tief in den Vollmond. Meine Gedanken kreisen sich, in sich. Ich kann es nicht fassen und begreifen. Mein spiritueller Jakobsweg bringt mir die Erinnerung zurück, zurück zu ihr, dem Mädchen in meinem Herzen. Meine Arme strecke ich von mir und bilde den Jesus am kreuz nach. Das Mondlicht blendet meine Augen und mein Herz das brennt. Jetzt ging es mir sehr gut und ich spürte ihr gehen aus meinem liebsten Organ, die Heilung ist weg. Schlagartig. Die Erinnerung an gemeinsame Nächte mit ihr, in dem ort mit „V“ bei Freiburg … bei ihr. Dankeschön Camino, jetzt weiß ich warum ich hier auf dem Weg bin und mein Innersten kennen lerne. Buen Camino.

Meine Fassung kommt zurückgekehrt, ich packe mein pochendes Herz in die Brust und schleiche mich zurück zu meiner Pilgerfamilie. Dem Felix erzähle ich nicht meine Geschichte dazu, den anderen auch nicht. Außer Tage später stecke ich es meinem niederländischen Freund. Es ist spät in der Nacht und alle beteiligten sind um die 6 Stunden am tage gelaufen. Abschied und der Wunsch des guten Weges. Was passiert noch in dieser Vollmondnacht unten am Rio Arga ???

Die beiden Belgierinnen bauen ihr Zelt noch auf und verschwinden alsbald in den Schlaf. Der Pilger aus den Niederlanden und ich beschließen unter freiem Himmel zu schlafen. Damit verbunden ein letzter Gang zum Brunnen oben an der Brücke und Zahnpflege, auf dem Hochweg hören wir grölende (vielleicht auch angetrunkene einheimische jugendliche). Als alles erledigt ist und wir natürlich auch, legen wir uns zu Bette auf der grünen Rasenfläche. Ich schlafe ungewöhnlich schnell ein, dies trotz magischer Vollmondkraft.

Ich höre und spüre einen Gegenstand an mir von oben von der Brücke auf mich zu rauschen. Dann nochmals einen zweiten Gegenstand. Zuerst denke ich, dass ich etwas wildes träume, der tag auf dem Weg brachte so einiges an Aufwühlung in mir hervor. Dann schreckt mein Pilgerfreund auf und
schreit etwas in die Nacht. Er flucht in Landessprache. Ich packe meinen Körper aus und bemerke beim Aufstehen eine nasse Fläche neben mir und einen schwarzen leeren großen Müllbeutel aus Plastik. Nein, das darf jetzt nicht wirklich wahr sein … !!! ??? Zwei Wasserbomben wurden von der Brücke gezielt auf uns schlafende Pilger geworfen. Hahahha, welch komisch seltsamer Spaß.
Mich hat die eine Bombe zum großen Glück verfehlt. Mein Pilgerfreund hatte einen Volltreffer erlitten, sein Daunenschlafsack ist pitsche patsche Wasser getränkt. Was ist zu tun? Den Lausbuben hinterher zusteigen sicherlich keine Lösung. Wir beruhigen uns wieder und geben uns gegenseitig Halt und Kraft. Nach dem Trockenlegen entfernen wir uns etwas weiter von der Brücke auf den sehr sehr grünen Rasen. Ich packe meine Wechselkleidung aus dem Rucksack und helfe dem Freund mit einem Pullover und meiner mitgeführten Softshell-Jacke aus. Nach einer guten halben Stunde ist wieder soweit gut, dass wir unseren Schlaf fortsetzten können. Das Herz pocht noch etwas bevor der Schlaf uns beide ruhig stellt. Gute Nacht in der Vollmondnacht am Fluss.

Ich träume zart und süß, befinde mich in den Armen einer Frau, meiner Herzensdame. Die Welt lacht im Traum und es fängt an zu regnen. Was geht ab in meiner Caminowelt ???

Es regnet wirklich und ich werde nass, feucht und es ist mir unangenehm. Meine Augen gehen auf und entdecken keinerlei Wolken am Himmel droben. Was geht ab? Die zarte satte Grünfläche hat eine versteckte Sprinkleranlage zum Rasen zu bewässern … des Rätsels Lösung. Guten Morgen um 5 Uhr auf dem Weg nach Santiago. Ich werfe meine sieben Sachen eine Steinstufe weiter runter auf die etwas unterhalb liegende Rasenfläche. Beruhigung und eine Erfolgreiche erste Rettungsaktion.
Durchatmen und durch schnaufen. Die Mädels aus Belgien machten alles richtig und schlummern seelenruhig in ihrem aufgebauten Zelt. Fuck !!! Die Sprinkleranlage auf der oberen Rasenfläche hat aufgehört und jetzt fängt es auf der unteren an zu regnen. Der Vollmond geht so langsam am Nachthimmel unter. Unser beiden sieben Sachen sind nass … hallo wach, hallo neuer Tag.

Wir haben beide die Lektion des Weges verstanden und verinnerlicht. PUNKT.

Merke:

„Wenn im Hochsommer eine Rasenfläche in Spanien extrem grün und gepflegt ist, ja dann wird sie sicherlich bewässert und die Sprinkleranlagen sind im Erdreich versteckt.“

Buen Camino

Pilger Kai 🙂

P.S.: Text ist online geschrieben und ohne Korrekturlesen. Es bereitet mir die große Freude der Einfachheit. Ich zu sein, genauso wie ich bin. So zeige ich mein Fühlen in meinen Erzählungen. Die Hilfe zum Text kam durchs öffnen meines Tagebuches. Viel Spaß und Freude beim lesen und Kritik ist erwünscht! Es wird ja mein zweites Buch entstehen und die Ansammlungen entscheiden über die Qualität davon.

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