Dienstag, den 21.07.2015 (Jakobsweg)


Nieselregen beglückt mich und ich habe keine Lust darauf mitgeführte Regenkleidung anzulegen.Warum weiß ich selbst gerade nicht! Heute Momente der Lustlosigkeit, gepaart mit Leblosigkeit und trotzdem gehe ich weiter und weiter. Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Gefühlswelten vereint in mir. Ehrlicher den je in meinem Leben schreibe ich und spreche ich zu meinen Mitmenschen. Kai, du lebst und liebst ganz arg tief. Macht das der Weg mit mir …

Schreibe ich ihr heute, ihr meiner ehemaligen Affäre!? Die die sich mir ganz hingab und mich trotzdem nicht als Partner wollte. Ich bestelle mir Antworten zu meinen Gedanken beim Universum. So ein Quatsch. Vielleicht durch meine ganze innerliche Unordnung bin ich nicht bei mir. That´s it.

Wenn ich selbst nicht voller Klarheit bin, wie kann ich es von jemanden anderes erwarten!?

Eine fast schlaflose Nacht liegt hinter mir. Mit zwei tollen Frauen lag ich im Zimmer der letzten Herberge, nach dem schönen Kennenlernen und dem gemeinsamen Weg zusammen, ein unspektakulärerer Abschied. Einer unter vielen, der der nicht weh tut, zum großen Glück. Trotz Aufschlagens des Reiseführers und meiner Wahl, der Wahl des alternativen Jakobsweges verlaufe ich mich. Schilder mit Warnhinweisen missachte ich. Dornen verletzten mich, mir egal. Und wieder taucht ein Warnschild auf: „Kein Weg nach Compostela!“ Bitte kehre um. Ich missachte dies erneut. Dann gehe ich weiter und schleiche mich durchs Dickgicht. Der Weg ist zu Ende. Mein Weg?

Die Brücke zum Fluss zu überqueren fehlt. Was nun … Wieder ein Schild mit der Inschrift: „Danger, zurück gehen!“ Was nun? Abermals spiele ich nicht nur den Dickkopf, ich bin es. Meine Lowa Wanderstiefel sind gut mit Bienenwachs imprägniert und ich gehe weiter, weiter durch den Fluss. Wiederholt Dornen die meinem Körper Blessuren bereiten. Dann kommt eine Stelle da geht es nur noch steil den Hang hinauf. Hinauf zur regulären Brücke über den Fluss. Der Camino geht nicht nur für mich weiter an einer Landstraße entlang. Die Autos warten nicht. Sie machen Angst beim Weitergehen, zu schnell ihr Tempo. Die Landschaft ist super schön und Grün. Abwechslungsreich der Weg über Hügel hinweg und immer in Abwechslung links und rechts folgend dem Fluss entlang. Unerwartet fange ich an zu weinen und lasse mein Herz ohne Rotwein im Kopf bluten. Die Tränen gelangen aus meiner Seele heraus in die Freiheit, in ihre Freiheit und einem Teil meiner akuten gefühlsmäßigen Wahrheit. Das spannende daran? Die gelebten Gefühle tun nicht weh. Wow. Dann umschließt mein Kopf mein Herz und der blöde Kopf stellt unangenehme Fragen an mich: „Wie kannst du ohne den Schmetterling leben?“ Der Kopf sagt gar nicht. Das Herz weiß vieles besser und hat das Recht.

Nach weiteren 10 Kilometern erreiche ich Samos und werde ganz zart. Ich gebe und vergebe mir und meinen Gefühlsausbrüchen. Ich warte, erwarte nichts mehr vom Tag. Ich bin.

(Tagebuch für heute geschlossen)

Einen schöne Abend voller Träume wünscht

Der Pilger Kai ❤

 

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