Der Paradiesvogel vom Camino. (Teil 4)


Nach dem freundlichen einchecken in die liebevolle Albergue in Boadilla del Camino, bei Eduardo und seinen Eltern, Maria und Jesús fand mich eine Geborgenheit ohne Gleichens. Ich bin Zuhause angekommen. Nach dem Wanderstiefel ausziehen und dem kurzen Nickerchen rief mich mein tägliches Pflichtprogramm, Wäsche von Hand waschen und im strahlenden Sonnenschein zum trocknen aufhängen. Dann kurz duschen und in der Badehose ab an den kleinen Pool. Am und im Pool fand das Leben an diesem Spätnachmittag statt. Viele bekannte Gesichter aus den vorangegangen Tagen. Wir lächelten uns an und teilten die Lebensfreude mit und untereinander. Da saß sie wieder, das hübsche Mädchen aus Österreich. Dunkle lange Haare und braune Augen tiefer wie jede Nacht. Ihre Optik möchte ich auf Anhieb sehr. Ihr Wesen fühlte sich seltsam in mir an. Seit dem ersten Austausch mit gesprochenen Worten, war mir ihre Motivation den Jakobsweg zu pilgern unklar. Ich glaube mich zu erinnern, dass dieser Austausch in Hontanas stattfand. Sie wollte ihn zügig und sportlich gehen. Doch der Weg gibt einem das Tempo vor, nicht wir ihm und so war es auch bei ihr. Ein Zweitessmal hatte ich mit einem Deutschen das gleiche Thema der Motivation zum Weg. Und beide traf ich wieder. Der Deutsche, der ungläubig war uns ist und deutlich sich vom Geist des Weges fernhielt … traf ich wieder und sein Tag war plötzlich zu Ende. Starke Fußschmerzen nach dem gang durch die Meseta. Das hübsche Mädchen aus Österreich vom Pool traf ich hinter Leon wieder und ihr Fuß dick und fett in Mullbinden verbunden. So viel zum sportlichen Freigeist auf / des Caminos. Möchten tun Pilger viel, das steht auf dem einen Blatt, was der Weg gibt und zulässt auf einem ganz andern Blatt.

Durch ihre natürlich winkende Schönheit hatte sie eine magische Anziehung auf Männer und ständig fünf Schoßhündchen um sich herum. Ob sie diesen Zustand genoss? Ich weiß es nicht. Ich ließ sie links von mir liegen. Und wie es meine Geschichte so wollte, trafen auch wir uns am Ende der Welt in Finisterre wieder. Ich hatte ein Date mit einem blonden Mädchen, in der Pizzeria in Finisterre im Hafen. Da saßen wir zwei im freien und lachten gemeinsam über unsere Erzählungen, da entdeckt mich wer und kommt schnurstracks geradeaus auf mich zu. Diesmal alleine und ohne Schoßhunde.

Ich tauche ein ins kühle Nass und vergesse alles um mich herum. Untergetaucht kurzzeitig. Ich tauche wieder auf und wer setzt sich neben mich an den Beckenrand!? Der Paradiesvogel vom Camino. Jetzt beginnt unsere Zeit, eine Zeit voller Tiefe. Tiefe Freundschaft just im Moment der erneuten Begegnung. Da der camino es gut mit einem meint und seine Maske ablegen kann, die Chance hat seine Ängste zu verlieren, gewinnt das ganze Leben an Intensität. Glaubst du nicht, lieber Leser hier? Dem ist so, genauso !!!

Wir mögen uns auf Anhieb unglaublich sehr. Der Paradiesvogel erzählt von ihrer schwersten Lebenszeit, Ihr Leben stand auf der Kippe zum nahen Tod. Krebs und letztlich, und zum großen Glück besiegt. Das ließ sie dann Bunt werden und ihre ganz neu gewonnene Lebensfreude in neonfarben zum Ausdruck bringen. Ihren aller ersten Camino ging sie direkt nach dem großen Sieg über den Krebs im Jahr 2013. Noch körperlich sehr geschwächt schaffte sie Tagesabschnitte von 5 bis 8 Kilometer. Der Fußweg durch Spanien veränderte ihr Leben nachhaltig und aus Freude daraus, findet sie sich jedes Jahr wieder, wieder auf dem Camino. Nach meiner Zeit des langen Zuhörens werde ich von ihr gebeten meine Geschichte zum Weg ihr zu unterbreiten. Wir sitzen gemeinsam in der Sonne, lachen, reden und hören zu. Zeitlosigkeit. Nach meiner Geschichte mit der Unglück beendeten Beziehung und meinem Werdegang, mit Mut zum Neuanfang mit fast 40 Jahren verabreden wir uns zum gemeinsamen Abendessen. Ich freue mich. Und sie merkte gleich, dass ich zwar auf dem Weg bin, doch noch nicht wirklich ganz angekommen auf dem Camino Frances.

Wir finden uns in einem super netten Raum zum Abendessen ein. Das Pilgermenü kostet gerade mal 9 Euro und nach dem köstlichen essen erstaunen ich mich über den Preis. Doch zuerst mal unser Gegenübersitzen hier. Eine große Gruppe amerikanischer Pilger sitzt neben uns und sie machen richtig Lärm. Lautstarkes Gerede und das herumreichen von Smartphones mit tollsten Apps macht den raum zu menschlichen großartigen Gesprächen schwer. Eine Italienerin kommt zu uns und bittet um den letzten freien Platz am Tisch. Der Paradiesvogel und ich genehmigen ihr sehr gerne den freien Platz. Wir beide sind am verköstigen der Vorspeise, es gab zwei Suppen, eine weißgelbe und eine rote mit Fleisch. Mehre Töpfe davon stehen auf dem großen Tisch. Immer wieder nerven mich die zu lauten Amerikaner, sorry, wir sind hier nicht in Texas denke ich mir aus prostest. Machen lassen, sein lassen den Widerstand und sich auf sich selbst fixieren und zu konzentrieren.

Mir persönlich schmeckt die weißgelbe vegetarische Suppe super gut und ich rätsle was das für ein Geschmack ist. Elke kommt auch nicht darauf, meiner Meinung nach ist es Blumenkohlsuppe. Der dritte Teller davon findet in meinem Magen platz.

Die Italienerin ist gut drauf und wir sprechen nun zu dritt. Auf meine Frage hin, warum sie so gut deutsch spricht, erwidert sie: „Ich war mal Skifahren in Südtirol und mein Skilehrer bohrte sich auf Anhieb so tief in mein Herz, dass die Wahl gar nichts mehr übrig ließ … ich verliebte mich in dieser Woche Skifahren in ihn und jetzt sind wir beide Mann und Frau!“ Wow! Eine gute Partnerschaft, man liebt und lebt sich, Mann und Frau lassen sich frei. Keine Beziehung hat sich gefunden, eine wahrhaftige Partnerschaft ist da. Mein gebrochenes Herz atmet auf, es ist tatsächlich möglich, zu lieben und zu wachen, wachsen in gegenseitiger Freiheit.

Vor lauter tiefen Begeisterung hervorgerufen durch gemeinsam Gespräche über Freundschaft, das Leben, die Liebe vergesse ich meine Frage zur Suppe. (Nach meiner Rückkehr nach Deutschland und einigen ergebenen Gegebenheiten kam die Antwort zur Suppe dank Facebook zu mir … Knoblauchsuppe liebte ich damals in Spanien …)

Nach dem gemeinsamen Abendessen gab mir der Paradiesvogel vom Camino soviel mit auf meine Reise, die Reise des Kai Peter, die zu dem Wesen, diese zu sich selbst. Immer wieder stichelte sie mich an und meinte zu mir: „Du bist auf dem Camino noch nicht angekommen!“ Und das Recht dazu hatte sie. Ihre Worte an mich gerichtet taten so unglaublich gut, so gut das ich den Wunsch für mich hegte noch weiter mit ihr zu reden. Daraus wurde nichts, es kostete Kraft, Kraft die ich sehr gerne investierte. Ich wollte ihr vieles aus meinem Ich erzählen … ich konnte nicht, nicht mehr an diesem erzählten Tag. Um kurz vor 21 Uhr ging ich glücklich, erschöpft ins Bett. Mit der Option sie am nächsten Morgen wiederzusehen. Daraus wurde nichts. Loslassen.

Kleiner Nachtrag zur Erzählung. Eine frisch gebackene Rentnerin mit kaputten Fuß überraschte mich auch noch an diesem erzählten Tag im Garten der Herberge. Sie hatte mich angesprochen und aus dem Grunde meines am Rucksack angebundenen Zeltes. Sie war total lieb und voller Mut, dies obgleich sie mir vor ihren Ängsten gleich berichtete. Zeit ihres Lebens war sie OP-Schwester und ständig unter Stress, körperlich und geistig. Dann das Ende ihrer beruflichen Arbeitszeit und ein Entschluss zum Übergang in ein anderes Leben. Sie lastete sich wieder zu viel auf. Körperlich zu viele Kilos, dazu ein zu großer Rucksack, prall gefüllt und ein Zelt mit dabei. Campingplätze gibt es direkt am Camino Frances nur vereinzelt wenige. Und mit der Angst im Gepäck vor wilden Hunden. Kein guter Rat von mir in etwa wild zu campen … wie ich es getan habe. Ich schickte sie in ihren Ruhetag und auf die Post. Eduardo (der Herbergsbetreiber), wurde zum Engel und versprach Hilfestellung am darauffolgenden Tag. Er versicherte ihr, den unnötigen Ballast mit auf der Post zum Nachhauseweg aufzugeben. Und auch der Paradiesvogel erzählte mir sehr sehr positiv vom Eduardo.

Dankeschön du, du Engel vom Camino !!!

Und du Paradiesvogel … der Weg brachte uns zusammen, er trennte uns und wir fanden uns am Ende der Welt in Finisterre wieder. Hurray.

Ich wünsche allen Pilgerfreunden und Leser hier ein grandiosen Wochenende

Pilger Kai ❤

P.S. Verzeiht mir die Rechtschreibfehler, momentan habe ich gerade keine Lust auf gegenlesen und zu überarbeiten. Ich lebe meine Liebe und erzähle schriftlich meine Geschichten.

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