Die 2 buddhistischen Mönche und die Rothaarige. (Teil 2)


Auch an diesem Tag geht es weiter, weiter als gedacht. Wir drei Seelenfreude / Seelengeschwister fühlten uns zu dritt sehr wohl. Wir lachten, wir schwiegen, wir liefen gemeinsam durch die Hitze die letzten Kilometer. Noch war uns dreien unklar wie weit die gemeinsame Reise gehen wird. Ich und mein Freund aus Holland hatten jeder für sich sein eigenes Zelt dabei. Durch mir war klar, ich möchte duschen und in einem Bett nächtigen.
Morgens in Carrión de los Condes gestartet und es ging bis ins ganz kleine Dorf San Nicolás. Die Pilgerherberge machte auf Anhieb einen süßen Eindruck. Neben der kleinen Herberge im Schatten eines Baumes erspähte ich zwei buddhistische Mönche. In ihren orangefarbenen gewändern meditierten sie im Schutz vor der Sonne durch das Blattwerk des Bauems. Ich hatte gleich viele Fragen dazu in meinem Kopf.

Was sind ihre Beweggründe einen uralten christlichen Weg zu pilgern?
Woher kommen sie?
Was denken sie?
Was fühlen sie?
Usw.

Sicher war ich mir darin , diese beiden interessant anfühlenden Menschen kennen lernen zu wollen. Doch wollte ich nicht gleich und sofort diesen Wunsch in Angriff nehmen. Zuerst dürfen sie in sich hinein fühlen, in ihre Stille, in deren beider Meditation. Ein toller Anblick der mein Herz ergriff.
Wir drei „Geschwister“ gingen gemeinsam hinein in die gute Stube und staunten über die Leere der Herberge, also nicht die fehlende Einrichtung, sondern es versammelten sich nur wenige Pilger hier. Wahrscheinlich zogen die meisten Leute das Tagesziel Sahagún diesem Ort vor. Einen Schlafplatz zu bekommen kein Problem. Ich durfte mir ein Vierbettzimmer mit meiner Seelenschwester teilen. Nach dem Einzug ins Zimmer, die lang ersehnte heiße Dusche. Danach dann die schmutzige Kleidungsstücke per Hand Waschen und im kleinen ummauerten Innengarten zum trocknen aufhängen. Und was geschah? Ich vergaß die beiden buddhistischen Mönche …
Ich setzte mich in die Sonne und plauderte mit zwei Mädels aus Norwegen. Diese beiden kreuzten auch schon einige male meine Jakobsweg. Doch fand bis dato eine Kommunikation statt. Ich spürte ihre Liebe zu einander, sie sind sicherlich ein Paar. Zeigen dies nicht öffentlich. Warum? … vielleicht aus Angst auf einem christlichen Weg zu sein? Wer weiß es, ich weiß es nicht. Die beiden waren sehr lustig und wir sind auf Facebook noch befreundet. Jedes mal wenn ich die beiden traf, tranken sie Bier, dies zu jeder Tageszeit. Auf meine Frage Warumfrage hin, kam die Antwort: „Wir sind doch im Urlaub!“ Punkt und akzeptiert. Es bleibt ja jedem selbst überlassen wie er mit dem Alkohol umgeht. Außerdem wusste ich ja wie unglaublich teuer alkoholische Getränke im skandinavischen Raum sind.
Peng. Plötzlich knallt die Türe zum Innenhofgarten auf. Alle drehen sich um zu ihr, die Rotharrige steht da und betritt den Rasen. Nass geschwitzt ihr T-Shirt, ihre Hose, nass bis auf die Haut. Ihre Augen weit offen und obwohl sie da ist, wirkt sie weit weg. Instinktiv stehe ich auf und bewege mich zu ihr hin. Auf Englisch spreche ich sie an ob alles in Ordnung sei. (Sie wirkt auf mich als ob sie eine XTC-Pille zu viel eingeworfen hat) Ich schätze sie auf Ende 20. Ihre Haare rot gefärbt. Ihre Haut rot durch die Sonne verbrannt. Ihre Augen wirklich ganz arg ihre aufgerissen. Beim Anblick schüttelte es mich wild durch, dies obwohl ich in meiner Ruhe war.
Ich nehme sie bei der Hand und führe sie zu einem Sitzplatz unter einem Sonnenschirm. Sie bedankt sich bei mir. Dann bricht es aus ihr heraus:
„Dieser Weg macht mich total verrückt!“
Ich bin in der Dunkelheit losgelaufen und konnte ganz schlicht und einfach nicht mehr Halt machen. Der Camino schubste mich an, gefühlt wie zwei Hände die mich dauernd anschubsten. In der Mittagszeit wurde mir kotzübel und ich machte endlich rast. Dann drehte ich total am Rad und schüttete mir einen halben Liter Rotwein in den Kopf. Das Resultat … „don´t stop walking.“
Nach dem ich ihren Startort erfahre schlage ich meine Hände über dem Kopf zusammen. Dieses Mädchen, diese Rothaarige ist auf jeden über 55 Kilometer gelaufen. Und dies an diesem staubigen trockenen heißen Julitag.
Der Herbergsvater kommt hinaus und bittet uns Pilger zum gemeinsamen Pilgermenü. Großartig, Stärkung für Körper und Geist. Die Rothaarige kommt aus England und schleppt sich erst einmal zum duschen und dann ins Bett. Ich habe sie an diesem noch jungen Abend nicht mehr gesehen und auf dem Camino auch nicht mehr. Moment, nicht ganz. In Finisterre, am Ende der Welt trafen wir uns wieder …
Das Abendessen bestehend aus diesmal einem gewählten Pastagericht als Vorspeise. Und ein Steak mit wenig Pommes und einem lecker Nachtisch zum krönenden Abschluss des Festmahles. Als Pilger sieht man einfaches als wahrhaftiges. Die Gesprächsrunde super toll. Pilger, Menschen aus verschiedenen Nationen. Pilger mit Schwächen, Schwächen ohne sie verstecken zu wollen und zu müssen. Ich hatte Angst mein Schulenglisch zu sprechen und darum zog ich die ersten Tage menschen in mein Leben die Deutsch Brockenweise konnten. Irgendwann verschwand meine Angst davor und alles wurde gut. Und aus den lebhaften Kontakten kam die Erkenntnis: „Mensch Kai, nicht nur dir geht / ergeht es so! Wir sind alles Pilger und lernen von und durch das Gehen des Weges. Buen Camino.
Nach dem Bezahlen und dem Verabschieden durchzuckt es meinen Körper. Hey und Kai, da war doch noch ein Wunsch zur Begegnung … und da war er wieder mein Wunsch.

„Die 2 buddhistischen Mönche kennen zu lernen.“

Schnurstracks bewegte ich meinen müden Körper durch die Herberge zur Türe hinaus. Zielgerichtet zu den Mönchen unter dem Baum in der Nachbarschaft. Und siehe da in der heran brechenden Dunkelheit sehe ich sie. Doch nicht mehr da und wach. Sie liegen unter dem Baum und schlafen friedlich / friedvoll. Als ich leise etwas näher an sie heran trete sehe ich ihre Schlafmitelchen.

In etwa 10 leere Bierdosen am Boden um sie verstreut …

Begegnung möglich, an diesem Tag sollte unsere nicht sein. Die beiden traf ich nicht wieder auf dem Fußweg durch Spanien. Doch bleiben sie mir immer in Erinnerung. Und heute erzähle ich meine und unsere Geschichte dazu.

„Die 2 buddhistischen Mönche und die Rothaarige.“ 😉

Buen Camino

Pilger Kai 

P.S.: Impressionen von der zarten Herberge, unser Zimmer, am nächsten Morgen die Rucksäcke von mir und meiner Seelenschwester aus dem Ostblock.

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