Die 2 buddhistischen Mönche und die Rothaarige. (Teil 1 – die Einleitung)


Der Tag sehr trocken und staubig. Viel, viel zu heiß. Temperaturen weit über 40 Grad an diesem Julitag auf dem Camino Frances. Nach dem Abschnitt mit 18 Kilometer fast nur geradeaus in der gefürchteten Meseta sah ich die schönsten Beine der Welt. 18 Kilometer die an meinem Spirit zerrten. Endlich angekommen im nächsten Ort und einen kleinen Laden findend, gab´s Cafe con Leche. Obst und Joghurt. Ich pflanzte meine Hintern auf die Straße und ließ mich nieder zur Pausenzeit. Erst nun konnte ich in meine Beobachtung zurück kehren. Huch und ja, ich war wieder fröhlich und da, ganz nahe bei mir. Die Gesichter der anderen Pilger ziemlich gezeichnet von der Hitze des Tages. Es roch nach Schweiß. Mir auf der anderen Straßenseite gegenüber sitzend ein Blick, ein Augenblick, ein geschenktes Lächeln. Wow, ich bin verzaubert. Wir lächeln uns Minuten lange an. Die Zeit verliert ihren Wert. Die Intensität des Momentes gewinnt an Bedeutung. Sie und ihre Freundin stehen auf, beide hatten genug gerastet. Alle Pilger verabschieden die beiden Süßen mit einem echten Wunsch … buen Camino. Ich blicke gerade gar nichts mehr, bin ich so schnell der Liebe gegenüber geöffnet und verliebt? Keinen Schimmer warum. Ich lasse los und widme meine Zeit der Nahrungsaufnahme. Der Cafe ist leer, die Kippe ist ausgeraucht. Ich ziehe wieder los und möchte die schönsten Beine des Jakobsweg wiedersehen. Ich bin ein Spinner und trotzdem ist die Vorstellung geil. Nicht aus Geilheit heraus, sondern aus dem Gefühl des nicht Denkens heraus. Der Kopf ist frei geblasen und die Beine marschieren. So einfach kann Leben sein. Danke Camino für die nächste Lektion.

Was macht der Weg mit mir ??? Heilt mein gebrochenes Herz wirklich so schnell, zeitlos und wird stark und kräftig ??? Ich versteh nix mehr, das Verstehen wird unwichtig. Wirklich.

Der Weg wird hügeliger und kurviger. Das liegt mir mehr und ich erfreue mich an den Botschaften auf dem Weg. Immer öfters tauchen Herzen und Botschaften aus Steinen, durch Menschenhand / Pilgerhand geformt auf. Pfeile von Ost nach West. Richtige Richtungen. Milchstraßen Richtung nach Compostela. Morgens gehen wir pilger los und wandern in Richtung Sonnenuntergang. Im nächsten richtigen Ort schaue ich mir die einzige (fast neue) Herberge an und irgendwas lässt mich wieder weitergehen. Eine Dose Cola leiste ich mir und verschwinde wieder nach draußen. Auf der anderen Straßenseite ist ein kleine unscheinbare Rasenfläche die mit Wasser gesprenkelt wird. Ein kleines (ich glaube mich zu erinnern) Stromhäuschen steht darauf. Schattenplatz nach der Bewässerung durch die Sparenkelanlage und der Befeuchtung meines Hutes. Natürliche Klimaanlage, Kai mit Hut, für die heiße Birne. Der Sommertag fordert vieles dem Körper ab. Ich komme zum Schattenplatz. Wer sitzt nicht da und chillt … Die beiden Mädels aus der Stadt des Pilzes. Ich frage höflich auf Englisch ob noch ein Platz für mich im Schatten frei sei. Die erlösende Antwort ist: „JA“. Wir sitzen da und quatschen frei heraus. Immer wieder fangen diese unglaublich schönen Beine meine Blicke ein. Wir lachen und albern gemeinsam herum, die Leichtigkeit des Seins gewinnt unsere Herzen. Es stellt sich heraus, dass wir auf ähnlicher Mission unterwegs sind. Wir brauchen nicht unbedingt einen Schlafplatz in den Herbergen. Ich und sie haben ein jeweils ein Zelt mit dabei. Nach tollen Gesprächen im Schatten des Stromhauses kommt der Abschied. Wieder mit dem Pilgergruß: „Buen Camino!“ Er wirkt ehrlich und wirklich von Herz zu Herz, dies die ganze Zeit hinweg durch Spanien. Guter Weg. Ein Ausdruck den ich liebe, lieben werde. Sie verlassen mich, ich ruhe, ruhe in mir selbst.

Als meine Reise weitergeht kommt das Gefühl auf dieser Verliebtheit folgen zu müssen. Dem Gefühl gebe ich nach und werde schneller in meinem Gehen. Fixiert auf ein Ziel, dem Wiedersehen.
Nach einer halben Stunde komme ich den Beiden näher, ich erspähe sie am Horizont. In unvermittelbarer Entfernung, in etwa zwei Längen eines Fußballfeldes tauchen sie beide wieder vor meinen Augen auf. Trotz unglaublicher Hitze und dem Flimmern des Horizontes legt der Kai nochmals einen Zahn zu. Unglaublich auf sein Ziel fixiert. Was passiert nun ???

Ich verliere sie. Plötzlich weg, einfach weg. Die (meinige) Welt gibt sie nicht mehr her und wieder.

(Das wir uns am Ende der Welt erst wiedersehen werden wusste ich nicht und ich konnte es nicht wissen.)

Was geschieht nun mit mir ??? Enttäuschung, ist Fehlanzeige. Ich pilgre weiter und zwar in meinem Tempo. Der Tag behielt sein Versprechen bei sich. Ich wollte Wunder und die Wunder kamen zu mir. Im nächsten erreichten Ort wieder die Option dort in einer Herberge zu nächtigen. Abermals die Einkaufsmöglichkeit und ich nutzte sie wiederum. Joghurt, Obst und Cafe con Leche. Das Wunder geschah ohne mein Zutun. Meine kleine geliebte Schwester und mein älterer Bruder fanden den Weg zu mir. Beides nicht meine leiblichen Geschwister. Diese Liebe zu ihnen und meine Beschreibung von wirklichen Geschwistern kam durch meinen Weg zu mir.

„Mein gebrochenes Herz … horcht, klopft und spricht.“

Wir gehen gemeinsam weiter den Camino. Tief verbunden und ohne viele Worte zu wechseln. Staubig trocken und zermürbend der Sonnentag im Juli 2015. Sonnenblumenfelder erfreuen unser Wiedersehen.

Jetzt die große Frage von EUCH …. wo ist die Hauptgeschichte ???

Die 2 buddhistischen Mönche und die Rothaarige.

Diese wird folgen, fest versprochen. Die Einleitung fand statt.

Buen Camino

Pilger Kai 🙂

Die kleine (neue gefundene Schwester und er, der neu gefundene Bruder als Abschluss zum staubigen Sommertag)

 

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