Ähm …


„Ähm, wo fängt die Geschichte an und wo hört sie auf ?“

Oder …

„Wo fängt der Weg an und hört der Camino auf ?“

Also spontan hatte ich die Möglichkeit eine Freundin an ihrem Geburtstag auf dem Weihnachtsmarkt zu treffen. Hier in Freiburg und die beschriebene Freundin hat ihren Lebensmittelpunkt im südlichen Schwarzwald. Wir hatten über ein Jahr nicht mehr das Vergnügen.
Mit etwas Verspätung kam eine erneute Nachricht auf´s Smartphone: „sie seinen jetzt da!“

Okay, wer ist wir? (diese Frage stellte sich mir)

Ich bin noch kurz duschen und ab auf den Markt, da wir keinen Treffpunkt ausgemacht hatten, beschloss ich mich vor das Rathaus zu begeben und ihr von dort aus eine Nachricht zukommen zu lassen.
Dann kam keine Antwort und ich stand da blöde in der Gegend herum. Nach einigen verstrichenen Minuten fand sich ein Augenblick zwischen mir und eine blonden hübschen Frau. Diese stand in etwa 5 Meter von mir entfernt. Wir lächelten uns an und spontan ging ich auf sie zu. Beim Herankommen warf ich ihr zu: „wir beide stehen da, wie bestellt, und nicht abgeholt!?“
Wir lachten beide lautstark los, dabei, in diesem wiederholten Augenblick, kam sie mir so bekannt und vertraut vor.
Nach etwas Smalltalk war mir klar das wir uns schon des öfteren über den Weg gelaufen sind.
(ich ließ mir nichts anmerken … )
Und zwar im Schuljahr 2013/2014 auf der Industriemeisterschule. Sie ist die Sekretärin meines ehemaligen Schulleiters. Dieser wiederum wechselt seinen Job, dies ohne zu verraten wohin und was für eine Aufgabe er haben wird! Er kam im Lauf der Unterhaltung hinzu. Schönes Wiedersehen für alle Beteiligten.

Dann klingelte mein Handy und der Abschied von den Zweien kam. Ein Treffpunkt zum Geburtstagskind gab´s als Wegbeschreibung aus dem Telefonat heraus für mich.
Nach dem ersten Glühwein und der Vorstellungsrunde wurde meine Zunge gelockert. Der Freund von M-Punkt war auch auf dem Jakobsweg unterwegs. Ein gefundenes Gesprächsthema und zwei Paar leuchtende Augen schauten sich an.

„Vor einigen Jahren ging es mir nicht besonders gut, mit der damaligen Freundin war Schluss. Auf der Arbeit lief´s nicht Rund. Also kurze Auszeit und Dank Hape Kerkeling wusste ich wohin. Ich wollte mit dem Rad 14 Tage auf den Camino. Spontan innerhalb drei Tagen wurden die Geschäftstermine verschoben und die Reisevorbereitungen getroffen. Und ab das Rad ins Auto und los an die Grenze zu Spanien. Um 15 Uhr trudelte ich erst im Pilgerbüro in Saint Jean Pied de Port ein. Nach der Aushändigung des Pilgerausweises wurde ich gefragt, ob ich jetzt noch los wolle ???

Ich: „Ja, natürlich !“

Ein dickes Nein flog mir entgegen. Es ist viel zu spät um die 27 Kilometer nach Roncisvalle anzugehen. Dann erklärte ich, dass ich ein Radpilger sei und gut trainiert dastehe, schauen sie mich an. Das war meine Freibrief zum Pilgern an diesem späten Nachmittag.
Dann ging die Quälerei die Pyrenäen hinauf los, dies völlig alleine, um diese Urzeit ist auf dem Abschnitt kein Fußpilger mehr unterwegs. Und wie es der Weg so gut mit mir meinte … ging mir die Luft aus, damit blieb ich nicht alleine, mein Hinterrad hatte das gleiche Problem. Flickzeug und Ersatzschlauch hatte ich alles mit dabei, nur dummerweise lag die Luftpumpe noch Zuhause.

Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Obendrauf gab´s noch eine heftige Dusche und ich wurde nass bis auf die Haut. Innerhalb von keinen 5 Minuten zog der Himmel sich in den Bergen mit schwarz- grauen Wolken zu und es gewitterte dann abartig heftig. Danke Camino, danke für deine Willkommensgeschenke. Ich hätte am allerliebsten mein Fahrrad auf die Wiese geschmissen und ich wollte aufgeben. Meine Schnauze nach wenigen Stunden gestrichen voll und mein Wunsch: „ab nach Hause !!!“. Doch irgendwie erwachte mein Kämpferherz und ich gab nicht auf. Um 10 vor 10 erreichte ich das alte Kloster in Roncisvalle. Und um 22 Uhr schließen sie dort die Türen zu. Dazu hatte ich saumäßiges Glück, ich bekam das aller aller letzte Bett zum schlafen. Meine Rettung die heiße Dusche und genügend Schlaf. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück reparierte ich mein Rad und nahm mir felsenfest vor, in der nächsten Ortschaft eine Luftpumpe zu besorgen. Soviel gleich vorweg, soweit kam´s nicht, kam ich nicht. Nach dem Verlassen des Klostergeländes dauerte es nicht sehr lange und das selbe Rad, mein Hinterrad war erneut platt. Luft – tschüss und adieu …

Sofort hatte ich eine Eingebung, das sind sicherlich alles Zeichen des Weges und des Himmels mit dazu, die Reise solle ich als Fußpilger fortsetzen. Zu Fuß an der nächsten Ortschaft angelangt, fand sich ein Platz zum Fahrrad unterzustellen, dies für den Zeitraum von 13 Tagen. Hurra. Jetzt begann der Weg für mich richtig Spaß zu machen. Ich genoss die Zeit zu Fuß und die tollen Begegnungen, mit sagenhaften Menschen aus allen Herrenländer. Am zweiten Tag zu Fuß lernte ich zwei Deutsche, die in meinem Alter waren kennen und im Verlauf des Tages, berichtete mir einer der beiden, von seiner Ankunft in Roncisvalle. Erst um 20 nach 9 kam dieser völlig erschöpft am Kloster an und empfand die Art zu nächtigen nicht sehr angenehm, wenig erholsam und nach etwas Überlegung ging er dann ins Hotel. Eine halbe Stunde später trabte ich dort am Kloster des gleichen Tages an und ich bekam damals das allerletzte Bett … der Camino und seine Geschichten !!!

Hey Kai, ich bemerke gerade wie die Zeit verstreicht und bevor wir uns jetzt ganz verquatschen, noch eine kurze Geschichte zu meinem letzten Tag auf dem Camino zu Spanien.

Gerne doch!

Ich verliebte mich ins Pilgern, diese Art des Reisens. Die Landschaften und die Begegnungen hinterließen liebevolle Spuren im Herzen und in meiner Seele. Mir wurde klar, dass die Zeit für mich auf dem Jakobsweg zu Ende geht und ich beschloss meinen letzten Caminotag rückwärts zu pilgern. Es war der Tag Numero 13. Was mir da passierte, ist sagenhaft. Ich zählte die Menschen die ich auf meinem bisherigen Weg alle traf und mit ihnen Worte wechselte. Mein Tag in diese Richtung, die Richtung weg von Santiago de Compostela. Ich zählte bis zur Zahl 95, der letzte Caminotag mit stattlichen 95 Begegnungen. Menschen die ich irgendwie gefühlt schon lange kannte.“

Wow !!!

Ende gut, alles gut. Darauf eine Wurst und ein Glühwein.

Dort wo die Geschichte und der Weg zusammen finden … diesmal auf dem Weihnachtsmarkt.

Buen Camino & Ultreia

Pilger Kai 🙂

Fotos von mir Anfang Juli 2015 in Saint-Jean-Pied-de-Port

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