Kein Durchkommen.


Kein Durchkommen.

Auf meinem Pilgerweg durch Spanien traf ich auf den Schotten Allen. Schon an meinem zweiten Tag auf dem Camino Frances stand er rauchend vor mir.
In seiner Hand hielt er fast immer eine eine E-Zigarette. (Dies Bild von ihm ist in mir gespeichert). Das er mich auf meinem Weg bis nach Finisterre (das Ende der Welt) und bis nach Muxia begleiten wird, dass wusste ich damals noch nicht …

Im Ort Zubiri bei unserem ersten Aufeinandertreffen stellte er sich mir namentlich vor und er erzählte, dass er Englisch an einer Universität in Schottland unterrichten tut. Es wäre sein zweiter Camino und beide Male wählte er den Camino Frances aus.
Bei mir ist es mein erster Jakobsweg durch Spanien mit dem gleichen Startort Saint-Jean-Pied-de-Port – wie auch eben seiner.

Wir liefen keinen einzigen Tag, gemeinsam nur einen Meter zusammen, auf dem Camino und doch trafen wir uns fast täglich. In einer Bar oder beim pausieren auf dem Weg und an dem Weg.
Und in so manch einer Herberge übernachteten wir im gleichen Schlafraum.
Es klingt ziemlich verrückt.

Ist es … und wahr!

Er stand immer früh morgens auf, meist noch in der Dunkelheit und pilgerte durch den Tag. Meine Wenigkeit packte es nie vor 8 Uhr am Morgen weiter zu gehen, meist eher noch etwas später.
Seine Distanzen glichen ungefähr meinen Tagesdistanzen. Deshalb wohl fanden wir uns immer wieder.

Allens Frühstück bestand aus Espresso und Brandy. Dem Alkohol gegenüber war er auch sonst als nicht wirklich abgeneigt. Egal, schließlich befand er sich im „Urlaub“ und er stammt ja aus dem Land des Whiskeys – Schottland.
Ich kann mich noch sehr gut an Allen und seinem gesprochenen Englisch erinnern.
Beim ihm zuhören kam es mir immer so vor, als ob er beim sprechen Kautabak im Mund hat.
So klangen die Worte von ihm in meinen Ohren, auch seine nüchtern gesprochenen Worte.

Toller Typ übrigens und ich mochte ihn auf Anhieb sehr sehr gerne.

Eines Tages verschwand er von der Bildfläche für ein paar Tage, er war einfach so verschwunden und ich wunderte mich über seinen Verbleib. Zu dieser Zeit erhöhte ich meine Tageslaufleistung auf plus / minus 40 Km am Tag. Mich trieb meine innere Stimme an. Weiter und weiter, Tag für Tag.
Dann vor einem kleinen Einkaufsladen in Hospital de Órbigo tauchte Allen aus dem heiteren Nichts wieder auf und er erklärte mir, dass einer seiner Fuße nicht mehr mitmachte. Angeschwollen und verdonnert zu einem Ruhetag. Als es am darauf folgenden Tag immer noch nicht weiter gehen konnte, entschloss er sich einen Abschnitt des Weges mit dem Bus zurück zulegen.
Und siehe da, er war wieder da und stand leibhaftig vor mir. Geil !
Allen hatte sein Nachtquartier in Hospital de Órbigo schon gefunden und ich ging noch einige Kilometer weiter.

So vergingen die Tage auf dem Camino mit erneuten Treffen und Loslassen. Mal auf einen gemeinsamen Cafe con Leche oder nur einen kurzen Plausch.

Dann am Morgen des 26. Juli 2015 saß er in einem Straßencafe vor dem Pilgerbüro in Santiago de Compostela, auf dem Tisch vor ihm sein Espresso und Brandy. Wir freuten uns beide über das Wiedersehen und umarmten uns. Er lud mich auf einen Cafe con Leche ein.

Und dann fing Allen an zu erzählen:

„Ich wusste ja das Festwoche in Santiago de Compostela ist und als ich gestern hier im Tumult ankam, wollte ich direkt auf dem Jakobsweg durch die Stadt hindurch weiter nach Finisterre .
Bei meinem ersten Camino Frances schaute ich mir die schöne Stadt etwas genauer an und dies reicht für mich. Damals hatte ich genug von Compostela gesehen und diesmal wollte ich den Trubel hinter mir lassen – einfach nur weiter. Die Stadt in der Zeit der Festwoche ist voller Menschen aus allen Herren Länder, da sind nicht nur Pilger mit dabei.
Doch eine Absperrung hinderte mein Weiterkommen und die Guardia Civil ließ lautstark vermerken, dass der Weg mit Rucksack gesperrt sei. Schließlich ist der König von Spanien in der Stadt. Sie können keinerlei Sicherheitsrisiko eingehen. Es gibt keinerlei Ausnahmen, auch nicht für Pilger !!!
Ich diskutierte lange noch mit den Beamten und sie wollten mich einfach mit Rucksack auf den Schultern nicht durchlassen. Ich sollte einen Bogen um die Altstadt gehen. Dann rief wer meinen Vornamen und ich traute meinen eigenen Augen nicht. Eine Person in Uniform der Guardia Civil kam hinter der Absperrung auf mich zu und wiederholte meinen Namen. Ich erkannte ihn und wir begrüßten uns freundschaftlich. Ein weiterer Uniformierter kam hinzu, hörte uns etwas zu, zwinkerte mit dem Auge und er gab sein Okay. Der Vorgesetzte schob nun das Absperrgitter etwas zur Seite, ließ mich in den abgesperrten Bereich hinein. Dann lagen sich zwei Männer unerwartet im Arm.
Ich bekam die Berechtigung in Begleitung meines uniformierten Freundes den Jakobsweg weiter zu gehen!“

Ich wollte wissen wer dieser Uniformierte war?

Allen:

„Ganz einfach … das war ein ehemaliger Student von mir, der in Schottland Englisch studierte und ich sein Dozent damals vor Jahren war. Im Laufe der Zeit freundeten wir uns an und unternahmen auch privat was zusammen.“

Wiedersehen von Freunden, wiedersehen in Freude.

Unerwartet und unverhofft.

Diese Geschichten schrieb der Camino im Juli 2015 und ich darf sie erzählen …

… nach unserem Abschied in Compostela (ich blieb noch den ganzen Tag) trafen wir uns am Ende der Welt wieder und in Muxia erneut. Leider kam keiner von uns beiden auf die glorreiche Idee unsere Adressen auszutauschen.

Meine Frage an EUCH:

„Hat wer den Schotten mit dem Namen Allen auch getroffen?“

Er ist zirka 1 Meter 80 bis 1,85 groß und hat einen Glatzenansatz, deshalb trägt er kurz rasierte Haare. Allen müsste zwischen 40 und 45 Jahre alt sein.

Falls ja … dann wäre dies eine weitere schöne Geschichte vom Camino …

Pilger Kai 🙂

Kein Durchkommen (1)

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