Der Bademeister von Hontanas.


Am Vorabend fiel es mir noch sehr schwer mir einen ersten Ruhetag zu geben, aufzuerlegen oder positiver: zu gönnen. Die Blase am Fuß brennt und der linke Knöchel ist durch die tagelange Fehlstellung des linken Fußes (zum Wunde entlasten) tierisch angeschwollen. 10 Tage bin ich nun auf Pilgerreise durch Spanien mit dem Startort Saint-Jean-Pied-de-Port, der noch in Frankreich.
Damals dann am 2.Tag in Pamplona schon die mir, für mich ungewöhnliche Blase, trotz gut eingelaufenen Schuhen und erprobter Kombination mit dicken Wollsocken.
Der Camino fordert mich heraus, er zeigt mir seine und meine Grenzen. Eine ziemlich spirituelle Reise und dies habe ich bisher auf keiner anderen Wanderreise so intensiv erlebt. Meine ersten Gedanken und Gefühle zum Jakobsweg haben mich bestärkt, meinen Weg hier, nach seinem Ruf weiter zu folgen. Camino du bist großartig.

Nach dem Ausschlafen und dem eher mageren Frühstück begab ich mich auf der Dorfstraße zum Schwimmbad hin. Ich hatte die Öffnungszeiten am Vortag erfahren, Punkt 12 Uhr. Doch weiß ich um die natürliche Zeitbestimmung der Spanier Bescheid.
In meinen Flip Flops humpelte ich durch die Hauptgasse bis an den Ortsausgang. Eine kleine gelbe Stofftasche in meiner Hand mit den nötigsten wie: Badehose, Handtuch und was zum Trinken darin.

Am Schwimmbadeingang wurde ich von drei strahlenden Gesichtern begrüßt. 3 Pilger saßen da und freuten sich über die Öffnung des Bades. Mittlerweile hatten wir halb eins und leider musste ich die Pilger enttäuschen. Nein ich bin nicht der Bademeister mit dem Schlüssel für´s Bad.
Sie dachten wirklich der große Deutsche ist der Bademeister. Die Sonne hatte meinen Körper in den letzten Tagen braun gefärbt und ohne Rucksack auf dem Rücken und mit lässiger Sonnenbrille auf der Nase, ist die Verwechslungsgefahr schon gegeben.

Nach meiner Erklärung auf Englisch, dass ich auch ein Pilger sei und hier in Hontanas meinem Körper einen Tag Ruhe gebe, lachten wir alle vier los. Jetzt warteten wir gemeinsam auf den Bademeister.

„Der Bademeister kam nicht!“

Es kamen stattdessen zwei bezaubernde junge Spanierinnen und eröffneten uns den Zugang zum Schwimmbad.
Eine grüne gewässerte Liegewiese, Schattenplätze, Toiletten und einen Kiosk, was will das Herz mehr. Ach ja, strahlend blauen Himmel und Megasonnenschein der Bonus obendrauf. Wuuuahhh!

Durch die Verwechslung kannten wir uns schon etwas und nahmen zusammen an einem Tisch platz.
Die Tschechin bestellte Pizza, der Italiener bestellte Muscheln und der Engländer besorgte Kartoffelecken. Ich spendierte biologisch angebauten Tabak und drehte uns allen nach der gemeinsamen Mahlzeit im Schatten Zigaretten. Sie rauchten normalerweise alle drei nicht. Heute eine Ausnahme.
Dazu tolle Gespräche aus der Pilgerzeit und Geschichten aus unseren Leben. Eine tolle Zeit, ich blicke gerne zurück.
Nach dem Essen darfst du ruhen und Sonnenbaden und planschen im Wasser. Mal zusammen und mal alleine. Der Eine schnarcht im Schatten vor sich hin und die Anderen tanzen im Wasser zu Housemusik. Die Mädels, die Bademeister legten gute Musik auf. Boxen im Freien und mit guter Lautstärke. Wir fühlten uns alle weit weg vom Camino.
Dieser Nachmittag hatte eher den Flair einer Ibiza Poolparty. Und dies im kleinen schnuckeligen Ort Hontanas.

Dankeschön an alle Beteiligten, für den Zauber des Nachmittags! … und buen Camino.

Der Bademeister & Pilger 😉

Kai

Hontanas Schwimmbad (1) Hontanas Schwimmbad (2)

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