Drama-Begegnung und seine Auflösung.


Drama-Begegnung und seine Auflösung.

In der Albergue Arribada in Muxia fühlte ich mich pudelwohl und Tag für Tag traf ich tolle
Menschen dort an.
Genauso auch an diesem Tag. Ein älterer Herr mit seiner Tochter fanden den Weg, in die fast nagelneue Herberge. Gleich bei ihrer Ankunft kamen wir ins Gespräch, dem Kennenlernen stand somit nichts im Wege.
Die Beiden sind den Caminho Português von Porto bis Santiago de Compostela und weiter über Finisterre – nach Muxia gepilgert.

Da die beiden in Deutschland etwas weiter voneinander weg ihren jeweiligen Lebensmittelpunkt haben, tat ihnen diese gemeinsame Zeit richtig gut.
Er ist 70 Jahre alt und seit 5 Jahren im Ruhestand, trotzdem aktiv, aktiv mit geben von Tennisunterricht.
Einen großen Anteil seiner Zeit verbringt er mit Kindern und mit Jugendlichen auf dem Tennisplatz.

Chapeau, dafür ziehe ich meinen Hut!

Seine Tochter mit 40zig und er haben einen wahrlich zärtlichen Umgang miteinander vorgelebt. Respekt, viel an Lachen und einfach wohl; gelebte Liebe.
Jeden Abend packten die Zwei ihre tagsüber getätigten Einkäufe aus dem Kühlschrank der Herberge in einen (extra gekauften?) Picknickkorb. Dazu 2 Gläser und sonstige Utensilien zum Vespern. Sonnenuntergang gucke.
An der Kirche A Virxe da Barca (Jungfrau vom Schiff) direkt am Meer beobachtete ich die Beiden manchmal flüchtig. Sie verbrachten ihre letzten Urlaubstage gemeinsam in Muxia.

Jedes mal wenn wir uns trafen gab es irgendwie etwas zum berichten und zum lachen. Schöne Begegnungen. Dafür bin ich sehr dankbar. Und der Camino lehrte mich das „Loszulassen!“

Ich konnte mich und ich freute mich für die Beiden und IHRE Zeit.
„Worauf möchte ich hinaus bei dieser Kurzgeschichte?“

Es ist ganz einfach und sehr, sehr persönlich:

Mein Vater verstarb nach 6,5 Wochen liegend, im künstlichen Koma auf einer Intensivstation.
Eine schwere Zeit für meine Mutter und mich. Er starb mit 63 Jahren und ich sah mit 37 Jahren den ersten Menschen sterben; meinen Vater. 100 Jahre zusammen – Vater und Sohn im Jahr 2010.
Wie gerne hätte ich noch viele schöne Momente mit ihm gelebt und erlebt. Vielleicht sogar den Wunsch gehegt, den Jakobsweg gemeinsam zu gehen!?

Seinen Namen habe ich mir nach seinem Tod auf meinen linken Innenarm tätowieren lassen.
Seine Unterschrift ziert meinen Körper bis an mein Lebensende. Ich liebe SIE.

Made by Dad!

Lange Jahre der Trauer liegen hinter mir und ich hatte wirkliche Probleme damit, den Tod meines Vaters anzunehmen, zu akzeptieren und ihn loszulassen. Das darf ich und das gestehe ich mir ein!
Jetzt ist es gut und der Jakobsweg half mir auf den letzten Schritt dazu. LOSLASSEN eine, meine Lektion und weitere Lernaufgabe. Für jeden von uns.

In Muxia konnte ich mich mitfreuen und ihre Freude annehmen. Vater und Tochter auf dem Camino. Lebensfreude pur und ich freute mich so mit ihnen.
Die Beiden zu sehen und zu erleben tat mir gut. Und das Gefühl der Trauer um meinen Vater und sein Gehen, dass hat sich in tiefe Liebe gewandelt, verwandelt.
Jetzt weiß ich, dass ich nur dachte alleine 1000 Km auf dem Jakobsweg zu pilgern … mein geliebter Vater war die ganze Zeit bei mir und in meinem Herzen. YES und Punkt.

„Das eigene Drama, die Begegnung und das Auflösen! Welch Erfolg.“

Dankeschön Camino, Dankeschön!

&

“um bom caminho” und “buen camino”
wie man in Portugal und Spanien zu sagen pflegt.

Euer Pilger Kai

Muxia Sunset

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