Meine Rückreise Teil 1.


Camino de Norte

48 Stunden in Santiago de Compostela gönnte ich mir abermals, nach der Rückkehr vom Ende der Welt, (Finisterre) in dieser tollen wunderschönen Stadt.
Ein goldige kleine Pension oberhalb der Kathedrale gelegen beherbergte mich. Ein Doppelzimmer für mich alleine für 30 Euro die Nacht. Das schmucke Zimmer erinnerte mich an eine Zeit vor meiner Geburt. Altes Antiquariat, die Einrichtung.
An meinem letzte Morgen dort verließ ich das Zimmer ordentlich und stellte meinen Rucksack im Treppenhaus ab. Dann zog ich los in eines der etlichen kleinen Cafes zum Frühstücken. Nach diesem zog der Kai nochmals los, und ließ sich durch die Gassen treiben. Offen für die Stadt, offen für weitere Begegnungen mit Menschen.
Ich traf auf 4 Surfer alle im Alter von Mitte 20. Jung, braungebrannt und gut gekleidet. Da das Wetter an der Küste gerade auf Sturm stand fuhren sie nach Compostela um sich die Zeit zu vertreiben. Sie trafen mich. Wir tauschten uns aus, ich berichtete über meine Pilgerreise zu Fuß von der Grenze Frankreich Spanien bis an die Costa da Morte. (Todesküste)
Die Jungs weckten in mir den Wunsch auch einmal Wellen zureiten. Alles Gute kommt von Oben!?
Taubenkacke fand seinen Platz, den Platz auf dem Designershirt eines Surfers.
Erzürnt sprang er auf und rannte auf die Toilette. Soviel Aufregung. Ich hab´s nicht ganz verstanden. Abschied von ihnen. Buen Camino.

Spanien liebe ich, in keinem anderen Land habe ich mich so was von Zuhause gefühlt wie hier.
41,5 Lebensjahre hat es gedauert, bis ich meinen ersten Fuß in dies zarte Land gesetzt habe.
Es als Pilger kennen und schätzen zu lernen / wissen – eine gute Entscheidung.
„900 Km Jakobsweg Punkt.“ meine Vision, mein Traum den ich mir erfüllt habe.

In mir kam die Unruhe auf, ich fühlte mich auf einmal tierisch unwohl. Ich darf die Stadt verlassen, loslassen und Heim reisen. Der Camino hat mir ein gutes Gespür für mich geschenkt. Dafür bin ich unglaublich dankbar! Kai, es ist deine Zeit gekommen: „Jetzt!“

Mein Freund Norbert hat mir eine Busverbindung von Compostela nach Irun, im Baskenland, am Vorabend herausgesucht und mir diese übermittelt. Die Abfahrt um 18 Uhr und 14 Stunden lang durch die Nacht warten auf mich.

Fluchtartig laufe ich zu Pension und belade mich mit meinem Rucksack, mein Ballast. Als ob ich verfolgt werde laufe ich zum Busbahnhof. Nach dem Weg musste ich nicht fragen. Er fand mich.
Dort angekommen ging ich sofort zum Schalter. Es war 15 Uhr 30. Und siehe da, den aller Letzten Platz konnte ich gerade noch buchen. Wahnsinn. Welch Glück und welch Bauchgefühl. Alles hat seinen Sinn und ich darf gehen, ehm, Busfahren.
Bis zur Abfahrt gab´s noch viel Zeit und diese Nutze ich mit Gesprächen mit einem Bettler und anderen Reisenden. Mein Handyakku machte schlapp. Die Sitzbänke mit Steckdosen waren belegt. Aber es gab einen Getränkeautomat, beim Blick dahinter fand ich Kleingeld für eine Cola und eine Mehrfachsteckdose. Perfekt. Handy im Versteck und am Saft.
Dann spricht mich eine mir bekannte Stimme an. Wir liegen uns im Arm. Unseren Abschied feierten wir vor in etwa einer Woche in Muxia. Jetzt stand er mit seiner Freundin vor mir. Das wir uns so schnell wiedersehen, dass hätte ich im Leben nicht geglaubt.
Der Camino endet nicht und er beschenkt einen mit Überraschungen. Die Zeit verging im Flug.
Und der Bus fuhr in den Busbahnhof ein. Beim Gepäck abgeben verunsicherte mich die Busfahrerin. Sie nahm meinen Rucksack nicht an. Ich dachte erst, ich stehe am falschen Bus. Doch dem war nicht so, es ging letztendlich um die Reihenfolge der Reisenden. Also die Gepäckfächer sind nach Zielorten angelegt. Ich war einfach noch nicht an der Reihe. Kurze Verwirrung. Alles ist gut.

Die Busfahrt war sehr ermüdend, 14 Stunden durch die Nacht. Zu allem Überfluss fing es stark an zu regnen und die Frontscheibe beschlug. Die Busfahrerin musste die Heizung und das Gebläse anmachen. Ich saß in der zweiten Reihe hinter ihr. Laut, heiß und mein Nichtschlafenkönnen.
An diese lange Fahrt habe ich keine guten Erinnerungen. Ich habe im Internet gesurft bis mein Handyakku leer war. Steckdose fehl am Platz. Ein junges Pärchen aus Dänemark saß vor mir und die Beiden hatten einen Monsterakku zum diverse Geräte nachzuladen. Außerdem waren die Beiden so schlau und nahmen ihre Schlafsäcke mit in den Fernreisebus. Beim nächsten Mal ist der liebe Kai auch schlauer und besser vorbereitet.

Ich habe die Stunden ohne Schlaf gut überlebt und der neue Tag hat mich mit einem traumhaften Sonnenaufgang beschenkt. Endlich steige ich aus dem Bus und begebe mich in die Innenstadt von Irun. Bald finden mich die Zeichen des Caminos wieder. Diesmal pilger ich über den Camino de Norte. Ersteinmal etwas frühstücken bevor ich Norbert und seine tolle Frau treffe. Ja richtig gelesen. Norbert und Sandra fahren 3 Stunden mit dem Zug von Bordeaux nach Irun um mich zu treffen. Welch tolle Geste! Als ob mich meine leiblichen Eltern von einer langen Reise abholen und mich auf meinem Weg nach Hause begleiten. Diese beiden Menschen sind ein Geschenk vom lieben Gott! An mich. Sie schickte mir der Himmel, dass fühle ich ganz sicher.

Norbert habe ich per Facebook vor einem Jahr kennen und schätzen gelernt. Irgendwie über die Leidenschaft und Liebe zu Korsika fanden wir uns. Der berühmte Fernwanderweg GR 20 auf Korsika sorgte für das Zustandekommen unserer Verbindung. Dankeschön an Facebook.
Norbert, seine Frau und ich lieben das Wandern. Angefangen mit dem Austausch per Kommentare, dann befreundet und letztlich in Bordeaux besucht.
Im Mai dieses Jahres ging es mir gar nicht gut. Liebeskummer und keinen blassen Schimmer wie es beruflich mit mir weiter gehen kann, meine Sorgen. Diese welche mich dann auf den Jakobsweg zu
Spanien brachten. Dem Norbert habe ich meine Sorgen anvertraut und er unterstütze mich beim Vorhaben „900 Km Jakobsweg.“ Er schaute nach verschiedenen Anreisemöglichkeiten für mich.
Dann stand fest, ich fliege von Basel nach Bordeaux und reise dann mit dem Zug und Bus weiter an die Grenze zu Spanien.

Saint-Jean-Pied-de-Port durfte mein Startort werden. Als großer Fan von Paulo Coelho wusste ich von seiner Pilgerreise, die ihn zu seinem ersten Buch brachte. Sein Startort? SJPdP. Genau.

Norbert holte mich am Flughafen ab und wir verbrachten zwei unvergessliche Tage zusammen. Ich schlief auf dem Boden im Wohnzimmer seiner Familie. Tolles Essen und gute Gespräche.
Montags ging es los an die Grenze. Am ersten Abend auf dem Balkon meinte Norbert zu mir: „Mensch Kai, mir kommt es so vor als ob wir uns schon eine Ewigkeit kennen.“ DANKESCHÖN!
Mir auch.

Ich fand ein kleines Cafe in der Nähe unseres späteren Treffpunkts. Leckerer Baskenkuchen und Cafe con Leche. Im Cafe sprach mich ein junger Moldawier an. Er roch stark nach Alkohol.
Er berichtete mir von diesem Wunderschönen Flecken Erde hier bei Irun am Golf von Biskaya.
Er habe schon in vielen Städten Europas gelebt. Hier fühlt er sich besonders wohl. Die Mischung aus dem tollen Atlantik und den Bergen. Skifahren in einer Entfernung von 2 Stunden. Baden im Meer. Ein cleverer sehr gebildeter junger Mann. Vom Pilgern wusste er gar nichts, etwas Aufklärung darüber gab´s von mir. Er schwärmte von diesem zauberhaften Grünton der Natur hier.
So einen saftigen Grünton sah er nirgendwo anderes auf der Welt. VWL studierte er in seinem Heimatland und dann ging seine berufliche Karriere ab wie Schmitz Katze.
Zuerst zweifelte ich an seiner Aussagekraft im Bezug zur Natur, schließlich kam er gerade von einer Technoparty und wer weiß, weiß was er sich dort rein gepfiffen hatte … später in der Natur auf dem Camino de Norte verstand ich ihn und bejahte seine Aussage. Einzigartig Grün das Baskenland!

Am Treffpunkt mit Norbert und Sandra sprach mich ein Schweizer auf Englisch an und auch wir waren gleich auf einem guten Level zum austauschen unserer Erfahrungen auf dem Camino. Aus Basel stammt er und er pilgert nach dem Camino Frances jetzt den Camino de Norte. Ein sympathischer Kerl. Stammt aus Basel. Basel liegt 70 Km nur von meiner Heimat Freiburg entfernt.

Norbert und Sandra treffen ein. Abschied vom Pilger und los auf den Camino de Norte. Norbert und seine Frau ziehen Menschen an und damit liefen wir mit unzähligen Pausen auf den Berg hinauf. Immer wieder schöne Gespräche mit Menschen. Oben auf dem Berg angelangt staunte ich über die Magie dieser Landschaft. Ausblicke auf den Atlantik. Ausblicke traumhaft schön auf die Pyrenäen.
Die Natur saftig grün, herrlich. Man kann die Energie fühlen, spüren sich aufladen lassen von ihr.
Pferde, Ponys, Schafe und Kühe am Wegesrand. Mittlerweile habe ich meine 900 Km auf dem Jakobsweg deutlich überschritten. Es langt.

Wir gehen noch zusammen einkaufen und fahren dann gemütlich mit dem Zug nach Bordeaux.
Meine Heimreise hat begonnen und es fühlt sich gut an. Eine Woche verbringe ich noch bei den Beiden und wohne, lebe mit ihnen.
Durch die Stadt verläuft auch der Camino. Und beim Wandern durch die Weinberge landet der Kai wieder auf dem Camino. Er lässt mich nicht mehr los.

Mein Weg.

Meine Zeit mit mir.

Meine Heimreise mit geheiltem Herz.

Buen Camino & ultreia ❤

Kai Peter Jasny

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