Excuse me.


Im Verlauf des letzten Abend in Rabanal del Camino fand mich der Wolf, ein Geistheiler, der sich um die Pilger mit Wehwehchen kümmert. Seit mittlerweile schon 19 Jahren geht er in Spanien seinen Camino. Er lebt dort in Astorga. Und er meinte, dass der Camino die größte Therapieanstalt auf der ganzen weiten Welt sei.

Da mag er wohl Recht haben!

Ich fand es erstaunlich, ich suchte ihn nicht und er fand mich. Welch Geschenk des Weges an mich.
Im Outdoor Reiseführer Jakobsweg steht seine Telefonnummer drin. Da ich den Reiseführer zwar bei mir trug, ihn aber nicht gelesen hatte, konnte ich nichts vom Wolf wissen … bis Dato.

Meinem gebrochenen Herzen konnte er auf Nachfrage von mir leider nicht helfen. Er gab mir indirekt mit auf meinem weiteren Weg, dass dies meine alleinige Aufgabe sei. Recht hatte er!

Wir hatten eine gute Zeit zusammen und quatschen ausführlich über Gott und die Welt. Nachdem
er seinen Energiegriff an meiner Schulter angewendet hatte, spürte ich nichts. Bei dieser Berührung zitterte sein ganzer Körper und er gab freiwillig von seiner Energie ab an mich!

Ein Andermal mehr über diese tolle Begegnung mit dem Wolf vom Camino, ist versprochen!

Der neue Tag brach an und mir ging es blendend gut. Ich stürmte den Berg hinauf und konnte gar nicht mehr bremsen. Mein Rucksack mit dessen stolzen Gewicht spürte ich auf meinen Schultern gar nicht.
Das Wanderhemd weit aufgeknöpft und Musik im Ohr. Ein traumhaftes Wetter mit ganz arg viel Sonnenschein. Wolkenformationen vom Allerfeinsten. Bilder die die Phantasie anregen. Tagtraum real und gelebt, erlebt von mir.

Was mich letztlich bremste? … mein Magen knurrte irgendwann!

Ich fand ein nettes kleines Restaurant auf dem Weg nach Ponferrada. Eine Cola und ein Bocadillo für den leeren Bauch durfte es werden.
Als der nette freundliche Wirt mir mein Wurstbrot brachte, da traute ich meinen Augen kaum. Das Teil war so was von riesig groß!!! Und dazu der Preis klein und fein.
3 Euronen nur.
Er hat das Leib Brot nicht wie herkömmlich gewohnt in Scheiben geschnitten, sondern längsseits. Unglaublich lecker, leicht getoastet und dick mit Käse und Schinken belegt.

Dankeschön.

Nach dem Essen mit Garantie zum Sattwerden bestellte ich mir meinen geliebten Cafe con leche.
Als dieser vor mir stand und ich gerade meine Kippe selbst zu drehen begann kam wer auf mich zu.
Ein schmächtiger Mann mit wenig Haar, Hut mit Muschel und blauem T-Shirt.

Er sprach mich an:

„Excuse me, have you got a light?“

Ich zögerte nicht lange und überreichte ihm mein Feuerzeug. Er setzte sich mir gegenüber und zündete sich eine Zigarette an und rauchte diese genüsslich. Ich meine Selbstgedrehte auch.
Wir kamen ins Gespräch. Als ich ihn fragte, wo er den seinen Camino gestartet sei?
Antwortete er Knochentrocken: „Bei mir vor der Haustüre in London!“
Und an diesem Tag unserer Begegnung sei sein 111 Pilgertag auf dem Camino.

WOW!

Ich fragte den rüstigen englischen Rentner, ob ich ein Foto von ihm schießen dürfte?

Er: „Ja, aber warte bis ich zu Ende geraucht habe!“

Ich: „Warum?“

Er: „Falls das Foto von mir im Internet auftaucht, ist die Gefahr gegeben, dass meine geliebte Frau – mich beim Rauchen sieht … sie weiß nicht das ich rauche!“

Wir lachten beide lautstark los. 🙂

Eine schöne Erinnerung an einen traumhaft starken schönen Caminotag, mein Pilgertag.

Excuse me.

Buen Camino & ultreia mein Pilgerfreund. ❤

Kai Peter Jasny

Wurstbrot

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