Von der Dankbarkeit. ​​(Pedras Santos)


Von der Dankbarkeit. ​​(Pedras Santos)

Der Abend nach meiner Rückkehr von Muxia nach Finisterre brach an. Nach ein paar Stunden Schlaf am späten Nachmittag dachte ich urplötzlich an das Treffen mit einem Moderator aus dem Facebook – Jakobsweg/ Camino de Santiago (Undogmatisches Pilgerforum) in Muxia. Eine Begegnung von Mensch zu Mensch und mit Herz zu Herz. Er gab mir die Geschichte der heiligen Steine ​​(Pedras Santas) mit auf meinen weiteren Camino. Sie seien oben auf dem Berg Facho, bei Finisterre, man darf auf sie drauf steigen, sie zum wackeln bringen und sich dann was wünschen.

Diese „Wunschsteine“ zogen mich magisch in ihren Bann.

Trotz der Beule an meinem Schienbein machte ich mich auf den Weg zum und auf den Berg Facho.
Die Schmerzen konnte ich unterdrücken, zu groß wuchs meine Neugierde zum Suchen und Entdecken.
An einem Abzweig von der Straße zum Leuchtturm wanderte ich einen schmalen Pfad den Berg hinauf. Doch dieser Trampelpfad endete im Nirgendwo. Zum Umkehren war ich natürlich wieder einmal viel zu stolz, ich kämpfte mich querfeldein den Bergrücken hinauf. Vielleicht hätte ich doch meine Wanderstiefel anziehen sollen!? Mit Flip Flops war es ganz schön anstrengend und meine Füße spürten die Dornensträucher.

Als ich nach gefühlt – vergangenen Stunden oben ankam, merkte der Kai, dass er auf einen Ausläufer des Berges Facho angekommen war. Hmmm. Zum Glück gab es nun wieder einen Weg weiter. Erst in einer Senke bemerkte ich die anrückende Dunkelheit, es wurde langsam aber sicher Nacht.
Dann begegnete mir ein spanischer Mann der seinen Schäferhund Gassi führte. Ich konnte ihm irgendwie mein Anliegen zu meiner Suche unterbreiten und er konnte mir dadurch den Weg zum Weiterkommen verdeutlichen. Mit Händen und mit Füssen. Der spanischen Sprache bin ich nicht mächtig. Sein Englisch war uns auch nicht sehr hilfreich.
In einer großen Schleife ging es um den Berg. Nun wirklich oben angekommen traf ich auf einen Österreichischen Mopedfahrer, der mir auch nicht weite helfen konnte. Netter Plausch der Zeit kostete. Er suchte einfach nur einen Zeltplatz zum nächtigen.
Mein Kopf war sehr müde und jetzt im Nachhinein ist es mir klar, ich hatte die Hälfte des Gespräches mit dem Admin ausgeblendet und ich suchte verzweifelt einen großen „Wackelstein bzw. Wunschstein.“
Dort oben auf dem Facho gibt es unzählige wunderschöne Felsformationen. Sehr viele.

Wo kann ich meine Wünsche zurück lassen und sie auf den Weg ins Universum senden?

Kapitulation. Es ist nach 22 Uhr und fast schon Nacht.

Ich fand eine große Hinweistafel, leider schlecht leserlich, sehr verkratzt und wieder das Ding mit der spanischen Sprache.
Ich wollte mich auf den Rückweg machen, diesmal auf der Rückseite des Berges in Richtung Hippiestrand. Was passiert mir nun? Ein Flip Flop geht mir kaputt. Scheiße, Scheiße schreie ich in die Nacht. Das fehlt mir nun auch noch. Eine Lektion des Weges an mich? Falls ja, so tut diess Lektion einfach scheiße weh an meinen Füssen! PUNKT.
Egal es führt ein Weg zurück, Barfuss über Steine, Steine die ich deutlich spüre und nicht sehen kann. Nach einigen hundert Meter wird der Untergrund weich, weich durch Moos und gefallene Blätter am Boden. Ich entdecke ein einziges Glühwürmchen. Also doch, ich bin auf einem guten Weg. Es zu fotografieren mit der Handykamera war eine Schnapsidee. Alles schwarz bis auf einen hellen Punkt ist auf dem Foto zu erkennen.Lach.
Mit Schmerzen im Schienbein und mit vertrauen im Herzen erreiche ich Finisterre und jetzt tat der Weg noch mehr weh. Auf den Straßen befand sich Rollsplitt. Ja, ja wunderbar.
An der Herberge angekommen hatte ich nur noch einen Wunsch: „Schlafen!“. Vergessen alle Wünsche ans Universum. Gute Nacht!

Der Nächste Morgen brach herein und meine Sehnsucht zum Wunschort wuchs erneut. Den 2. Versuch wollte ich schlauer, überlegter und mit Plan im Sack angehen. Ich schrieb den Admin aus dem Forum an und dann als seine Antwort bei mir ankam, blitzte es in mir auf! Wie kann ich 2 heilige Steine finden, wenn ich meine Suche auf einen „Wackelstein“ konzentriere? Gar nicht.
Er gab mir den Tipp: „Erkundige dich bei Christine in ihrer Bar!“
Am frühen Nachmittag machte ich mich auf zu Christine. Dort angekommen wurde mir gesagt, dass die Christine nicht da sei und einen Arztbesuch an diesem Tag hat. Okay. Ich pflanzte mich draußen mit einem Cafe nieder und spürte die gute Energie, die der Menschen dort. Hippies, Pilger und weitere lustige Menschen. Gute Gespräche mit Sinn, in Deutsch und Englisch. Wunderbar.
So verflog die Zeit und ich vergaß abermals meine mir selbst auferlegte Mission.
Nach dem Abendessen kam alles zurück zu mir und diesem schnürte ich die Wanderschuhe zu.
Und ein neuer verrückter Impuls forderte mich. Ich wollte die ersten 2,5 Km bis zum Faro mir sparen. Trampen durfte es werden. Ich liebe Herausforderungen. Mir wurde sooft auf dem Camino gesagt, dass das Trampen in Spanien nicht so einfach sei. Mir Wurst, ich fordere mein Glück heraus.
Siehe da das fünfte Auto hielt an. Ein freakiger Spanier bot mir seinen Beifahrersitz an, der, der mit Leder überzogen war und zu einem etwas in die Jahre gekommen dicken BMW gehörte.
Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Wir rauschten los den Hügel hinauf. Er gab mir zu verständigen das ich schlau sei. Die Pilger laufen hoch zum Faro und ich trampe. Wenn er wusste wie oft ich schon zu Fuß dort hoch gepilgert bin …
Er kannte keine Regeln. Oben auf dem großen Parkplatz reges treiben, lauter Suchende Leute. In Lauerstellung mit ihren Autos nach frei werdenden Parkräumen. Der Spanier fuhr drauf los. Ein Platz wurde frei und sein BMW fand ihn. Trotz Gehupe und Missgunst blieb seine Gelassenheit erhaben.Wenn nicht er die Spielregeln hier kennt, wer dann? Ich blieb außen vor und ein Beobachter, schließlich hatte ich eine Mission. Ihr galt mein ganzer innerlicher Raum.

Abschied mit Umarmung und buen Camino.

Jetzt hatte ich einige Kraft gespart und ich befand mich auf der geteerten Straße hoch auf den Berg Facho. Diesmal spürte ich meine Suche neu. Die Sehnsucht brannte in meinem Herzen. Ich spürte, dass mich mein Herz leiten und lenken würde. Unterwegs nach oben blickte ich mich um und ein mystischer Anblick des Leuchtturm ließ mich, mich erfreuen. Eine Nebelwolke zog sich von links nach rechts über den Turm. Magie, ein magischer Anblick, hervorgerufen durch die Natur.

Nach einigen Minuten kehrte ich dem Schauspiel den Rücken zu und ging den Weg weiter nach oben. Eine erneute Begegnung mit einem älteren spanischen Ehepaar folgte. Nach meinen Erklärungen was ich suchte, bestätigten Sie die Richtung. Auf und auf, weiter Kai.
Der Weg offenbarte sich mir. Kopf aus und Herz an. Einen kleiner unscheinbaren Trampelpfad folgend fand ich die beiden tonnenschwere heiligen Steine. (Pedras Santas)

Was ich nicht sah, sah ich dann doch. Jemand saß mit dem Rücken angelehnt dahinter. Weiße Kerzen schmückten die Zeremonie von ihm. Ein deutscher Pilger. Sein Kraftort um zur Ruhe zu gelangen, mit starken Ausblick auf den Atlantik. Ich fragte ihn freundlich ob ich ihn störe?
Er erwiderte ein klares: „Nein“ Somit stand dem Kennenlernen nichts im Wege! Meine Wünsche ließ ich los. Zu vertieft in unseren Austausch befand sich mein Ich.
Als es dann soweit war und ich die heiligen „Wackelsteine“ bestieg, jeweils ein Bein auf einem der beiden Steine. Da spürte mein Körper die Schwingungen des Prozesses. Ich fiel in eine leichte Trance. Trance der Glückseligkeit.

Meine Wünsche verwandelten sich schlagartig in tiefe – tiefe Dankbarkeit!!!

Welch erhabenes Gefühl … mein Seelenfrieden zu spüren und ihn zu leben.
Wünsche losgelassen und meine Dankbarkeit zum eingeschlagenen Camino zurück gelassen.
Das Leben ist geil, wunderschön, einzigartig und jede Schwierigkeit ein großer Teil der Lernaufgabe bis zum Lebensende. Genuss vom Allerfeinsten. Gefühlt in jeder Ader meines Körpers. Die Macht ist mit mir. Die Größe ist da und am Leben. Die Gedanken von Missbrauch der Macht vergraben. Dankeschön für diese Lehrstunden auf dem Berg Facho.

Manchmal lohnt sich die Verbissenheit und das erreichte Ziel änderte sich bzw. dich!

„Dankbarkeit statt offener Wünsche!“ Buen Camino für immer und die Ewigkeit.

Kai Peter Jasny

P.S.: meine Müdigkeit nach der Rückkehr aus Spanien erklärt sich gerade von selbst … mein Erwachen macht sich spürbar. Transformation.

FaroRitualKreuz

Nach meiner Rückkehr nach Freiburg fand mich dies Video:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s