Von der Angst.


 

Von der Angst.

Ich fand mich an der Kirche des magischen Örtchen Muxia des abends wieder mal ein. Den Sonnenuntergang genießen mein Ziel. Dort traf ich zwei Frauen, die eine aus Österreich und die Zweite eine Deutsche. Die Beiden haben sich auf dem Jakobsweg in Frankreich, weit vor der Spanischen Grenze kennen und schätzen gelernt. Sie pilgerten zusammen weiter. Eine Freundschaft entstand. Unterwegs auf dem Camino hatten beide immer wieder die Begegnung mit Hunden gehabt. Eine der Beiden wurde von einem wild streunenden Hund gebissen. Beide hatten ab diesem Zeitpunkt Angst vor Hunden, die ihnen auf dem Jakobsweg begegneten.

Wir saßen zusammen auf dem Hügel und quatschen heiter über unsere Camino-Erlebnisse.

Wir teilten unsere Sachen brüderlich. Ich spendierte 2 Tafeln Schokolade z.B.
Die Möwen kreisten ihre Runden über uns im Wind. Das Meer der Costa da Morte war etwas wild und weiße Gischt sprang über die Felsen. Langsam aber sicher ging die rot glühende Sonne im Meer baden. Der Himmel mit seinen Wolken färbte sich in zarte Orangetöne. Herrlich für´s Herz und Gemüt. Nach den tollen Gesprächen und Blick, dem Augenblick der untergehenden Sonne, kam die Stille über uns. Wir zeigten schweigend unsere Demut und unsere Dankbarkeit. Die Nacht brach herein. Unser Rückweg wartete.

Zusammen verließen wir den magischen Platz an dem schon viele Pilger ihren Camino und Neuanfang mit dem Sonnenuntergang zelebriert haben. Die beiden Freundinnen kamen die Straße entlang zur Kirche am Meer. Ich kam über den Camino dort hin. Ich schlug vor den Camino zurück nach Muxia zu gehen. Die Beiden waren einverstanden und hatten keine Angst vor mir und dem Weg durch die Dunkelheit. Dies obwohl wir uns nicht kannten und wir uns trotzdem Vertrauen gegenseitig schenkten. Auf Anhieb, sofort und im Moment!

Kurz vor der kleinen Kirche am Ortseingang von Muxia verspürte ich Harndrang und ich ließ die beiden vor gehen. Nach dem Verrichten meines Drangs beeilte ich mich die Beiden einzuholen. Das gelang mir auch nach wenigen Minuten. Ich kam um die Ecke der kleinen Kirche und ich erschrak
augenblicklich!
Die beiden Mädels standen wie angewurzelt da, versteinert, die Angst konnte ich spüren. 6 Hunde um sie herum. Die Hunde fühlte ich komisch. Kein Gebell. Sie versperrten den Weg nach Muxia und ein Umdrehen der Beiden Freundinnen war auch für sie unmöglich. Ohne Aggression verscheuchte ich die 6 Hunde und es gelang mir einfachst. Die Angst durfte gehen, gehen mit den Hunden.
Und wir pilgerten in der Dunkelheit der Nacht über den Camino zurück nach Muxia.

Alles war gut! Die Angst gelebt und wir haben sie zusammen besiegt.

Der Camino wurde von sehr vielen Menschen schon begangen und ich behaupte, dass Jeder, der bereit dazu ist sich seinen Ängsten zu stellen, der wird vom Camino nicht enttäuscht ….

(spontan geschrieben Erzählung vom Balkon aus in Freiburg im Sommer 2015)

Buen Camino = guter Weg.

Kai Peter Jasny

 

Muxia Angst

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