Gottesdienst 2 Punkt Null.


Gottesdienst 2 Punkt Null.

In Muxia vor meiner Lieblingscafeteria sprach mich ein mir doch bekanntes Gesicht vom Camino an. Wir kannten uns aus einer Herberge in Vega de Valcarce. Sie kommt aus Dänemark und ist Rentnerin.
Wir trafen uns einige male auf dem Camino, immer sehr freundlich, aber nicht ganz so mit viel Tiefe.
Da saß ich nun da, im Hafen vor der Cafebar meines Vertauens und schlürfte genüsslich meinen geliebten Cafe Con Leche und sie sprach mich an. Diesmal gleich verwurzelt in der Tiefe. Wahrscheinlich hat uns der Camino verändert und unserer Treffen hier ist kein Zufall. Jetzt stellten wir uns gegenseitig uns genauer vor.
Sie vermisste ihre Kinder, solange war sie noch nie räumlich getrennt von ihnen gewesen. Die meisten Urlaube verbrachten sie mindestens eine Woche gemeinsam. Das Vertrauen wuchs von Minute zu Minute.
Dann gab sie mir noch etwas mit auf meinen weiteren Weg. Und zwar, wenn ich wissen möchte warum ich den Camino gegangen bin, dann sollte ich in die Kirche vorne am Meer gehen. Sie hält Antworten parat für jeden Pilger der sie aufsucht. Ich fand unsere Unterhaltung sehr spannend und ergreifend. Es fühlt sich wunderschön an, sich zu begegnen auf Herzensebene. Wir wünschten uns gute weitere Wege, hier und zu Hause. Abschied. Kurz zuvor fragte ich noch, woher sie die Information hat?

Sie: „aus einer Begegnung auf dem Jakobsweg, ein Hippiemädchen hat es ihr dort erzählt!“

Ich bezahlte meine Kaffees und meine geweckte Neugierde ließ mich losziehen zur Kirche: „A Virxe da Barca“ (Jungfrau vom Schiff) an der Costa da Morte. (Todesküste)
Ich wusste ja für mich schon, warum ich die „900 Km Jakobsweg Punkt“ gepilgert bin. Nun ja, da ich mich auf einer spirituellen Reise auf dem Camino unterwegs befinde, warum dann eigentlich nicht weitere Antworten entgegen nehmen!?
Als ich die Kirche erreichte war es spät und es war glaube ich noch zu wissen ein Samstag. Die Kircheneingangstür blieb mir verschlossen. Abgeschlossen.
Ich ließ von meinem Vorhaben los und pilgerte den Camino zurück nach Muxia.
Am nächsten Morgen nach dem Aufstehen kam der Impuls zurück zukehren und ein erneuter Versuch gelang mir. Doch war zu meinem großen Erstaunen gerade ein Gottesdienst. Jetzt stehe ich hier also rein mit mir. Bis dato hielt ich mich von allen Gottesdiensten fern. Diesmal nicht. In einer der hinteren Reihen nahm ich als Zuschauer platz. Fünf Menschen beteiligten sich aktiv an der Messe. Als der Pfarrer sein Smartphone aus der Tasche zog und Verse vom Telefon ablas, zitierte, war ich belustigt. Ein dickes Grinsen über beide Lippen hinweg …

Gottesdienst 2 Punkt Null halt!

Irgendwas ließ mich nach vorne gehen, als das Leib Christi in Form von Hostien verteilt wurde. Nun war ich mittendrin, anstatt nur dabei. Ich fühlte mich wohl und aufgehoben!
Die Messe fand sein Ende. Unerwartet wurden mir von allen Beteiligten ihre Smartphones überreicht und es ging los mit Gruppenfotos. Welch großartiger Spaß!
Freundliche Gesichter von super netten Menschen. Herzlich Willkommen. Nach den Umarmungen und den nicht mehr endenden guten Wünschen, ging ich aus der Kirche und bog ums Eck.
Dann blickte ich in Richtung Himmel und ich erschauderte leicht. Ein Wolkenkreuz erschien. Eine Botschaft des Himmels? Und falls ja welche?
Damit hatte ich nun garnicht gerechnet und ausgerechnet an diesem Tag begab ich mich zum ersten Mal nicht über den Camino zurück nach Muxia.
Ich lief die reguläre Straße zurück in den traumhaften Küstenort. Kurz vor dem Ortseingang endet der Gehweg auf der Meeresseite. Ein Zebrastreifen ist die Überführung zur anderen Seite wo der Gehweg in den Ort herein führt. Beim überschreiten und Ankommen staunte ich abermals. Erneut tauchte ein Kreuz auf, diesmal zu meinen Füssen. Ein kleines Mooskreuz im Gehweg.
Das ungute Gefühl wich der Freude. Die Weltenseele gibt es wirklich! Und sie zeigt sich mir.
Für Menschen die den Camino (noch) nicht gegangen sind klingt es seltsam und befremdend, meine Erzählungen. Das kann ich gut nachvollziehen! Doch bitte liebe Leser. Ich trank auf meinem Weg durch Spanien keinen Tropfen Alkohol und Drogen nahm ich schon gar nicht zu mir.
Der Weg, mein Weg berauschte genug. ;o)

Kai Peter Jasny

Muxia  Kreuz (1)

Muxia  Kreuz (2)

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