Der Schattenpilger.


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Hola aus Compostela,

ich freue mich gerade wie ein Kind das die Welt für sich entdeckt. Sitze auf einer Steinbank und betrachte die wunderschöne Kathedrale. Es regnet leicht und die Temperatur könnte jemand etwas höher drehen. Egal. Ich habe leckere Tapas aus meiner Lieblingstapasbar im Magen. Er arbeitet, das gibt warm! BREAK.

„Der Schattenpilger.“

… die Sonne ist in Muxia im Meer versunken und ich bewege mich in Richtung Ortschaft. Doch ein spontaner Impuls lässt mich vom Camino abweichen, ich biege ab und schlendre den Pfad auf den Berg hinauf. In der Dunkelheit erkenne ich eine Person, die mir auf dem Camino zwar ein paar Mal flüchtig begegnet ist, ich aber nicht mit ihr gesprochen hatte. Ich rufe zu ihr: „bist du der Klaus?“ (aus Begegnungen mit anderen Pilgern hörte ich von einem Klaus aus Deutschland, der täglich mehr als 50 Km lief) Die Beschreibung passte. Lange Haare zum Pferdeschwanz zusammen gebunden und schwarze hohe Stiefel. Die Antwort war ein: „Nein!“ … aber egal, ein Deutscher. Ich fragte freundlich ob er Gesellschaft brauchte. Seine Antwort: „ja.“
Ich spürte seine schlechte Laune förmlich. Was ist los mit dir?
Ach, ich habe mich auf dem Camino in eine Österreicherin verliebt. Ist doch toll. Ja, eigentlich schon. Doch kann diese Liebe nicht gelebt werden, dies obwohl viele gute Voraussetzungen bestehen. Wir lernten uns unterwegs kennen und wir hatten wunderbare Wandertage zusammen. Dann trennten sich unsere Wege, weil sie auf ihre Mutter wartete. Diese war auf der Anreise und beide wollten die nächsten zwei Wochen gemeinsam pilgern. Dem Klaus (ich behalte den Namen mal bei) ging das Mädchen nicht mehr aus dem Kopf & Herz. Nach 18 gewanderten Km an diesem Tag machte er Kehrtwende und lief zurück, zurück seinem Herz folgend. Zurück auf die Suche nach ihr! Er fand sie nicht. Fragte blöde in der Gegend herum und Stunden vergingen. Dann traf er auf den Richtigen und er sagte, ach die …… ist dort drüben in der Bar. Klaus ging zu ihr, atmete zuvor tief durch, holte seinen ganzen Mut aus der Tasche. (Lach. so eine Zaubertasche brauche ich auch) Und er beichtete ihr seine Gefühle. Ihr Atem stockte! Klaus gab ihr seine Handynummer und sie verabredeten sich in 2 Wochen dann in Finisterre. Es war klar, dass die Österreicherin ja bis Santiago de Compostela, die Zeit mit ihrer Mutter teilen werde.
Klaus lief voller Freude über seinen Mut weiter und er malte sich eine wunderschöne Zeit mit ihr am Ende der Welt aus. Dazu hatten beide bis September Zeit und beide überlegten den Camino in Portugal zu pilgern. Besser kann’s gar nicht laufen!

Die Zeit verging und er erreichte Finisterre. Seine Tage mit Wärme im Herzen und Freude auf der Zunge erfüllten ihn. Am Ende der Welt wartete er leider Vergeblich auf eine Nachricht von ihr. Seine Stimmung ging baden. Nach 3 Tagen ohne Meldung zog er weiter Richtung Muxia. In Finisterre kannte er mittlerweile jeden Stein und jede Muschel am Strand.
Auf dem Weg nach Muxia lernte er früh am Morgen eine Frau etwas kennen und sie wurden Wanderpartner. Dann auf halber Wegstrecke geschah es … der Camino spuckte die Verschollene wieder aus. Auch sie unterwegs mit einem Wander- oder Pilgerpartner. Scheiß Situation und kein Raum für eine richtige Begegnung. Nach einer Minute verabschiedeten sie sich. (wohl auf ein NIE – WIEDERSEHEN!!!)

Ich schenkte dem Klaus mein Ohr und ich schluckte ganz schön beim hören seiner Caminogeschichte.
Der Klaus wirkte nicht nur so, er war total angepisst. Angepisst von sich und seiner Haltung. Die war nicht erwartungsfrei! Dies warf er sich selbst die ganze Zeit vor. Seine Lektion auf dem Weg. Hast du viele Erwartungen – so kannst du schwer enttäuscht werden. Aber damit erzähle ich Niemanden etwas wirklich neues. Am nächsten Tag traf ich ihn nochmals und sein Tag war nicht besser als seine letzte Nacht. Mein Tag erfüllt mit Baden im Meer und in der Sonne. Seiner …. es ging mit ihm noch weiter bergab. So weit, dass er mit dem Bus abreiste und mit dem nächsten Flieger nach Deutschland flog.

Lieber Klaus, beste Wünsche für dich und auch du weißt, der Camino mit seinen Lektionen endet in Deutschland nicht!

(Kurzgeschichte auf dem Smartphone getippelt)

Kai Peter Jasny 😀

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