Smartphone getippelt IV.


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Ein erfolgreicher Sonntag liegt hinter, wichtige Dinge der Todoliste sind nun erledigt. Gestrichen.
Es zieht mich raus in die Stadt und unter Menschen, genug geputzt, genug gerichtet für die große anstehende Reise. Ich schnappe mir meinen Kopfhörer, stecke ihn in mein Smartphone und begebe mich zur nächsten Straßenbahnhaltestation. Mein Ziel ist klar, die Straba nicht mehr da. Mist sie ist genau vor meiner Nase davon gefahren. Die nächste kommt in 13 Minuten. Stillstand. Zu Fuß gehen die nächste Überlegen. Nö, heute nicht!

Ich sitze in der Bahnlinie 1, die Musik im Ohr lässt mich den Fahrgasttrouble vergessen. Zwei Haltestellen später bittet sich mir ein Sitzplatz, ich zögere nicht lange und drücke meinen Arsch auf den Einzelsitz. Der Song ist alle. Meine Konzentration verwende ich mit der Musikwahl des nächsten Titels. Die Bahn hält, meine Wahl ist getroffen. Die Türe geht auf und eine adrett gekleidete Frau, zirka Mitte 30, tritt in mein Sichtfeld. Ein Mann mit Gehbehinderung folgt ihr, er geht an einem Stock. Es sieht nicht so aus als ob er von Geburt an so durch´s Leben läuft. Ich deute einen Unfall. Sie bleibt vor einem freien Sitz vor mir. Blickt ihn liebevoll an und fordert ihn auf sich zu setzten. Das dauert etwas. Er sitzt. Nun seine auffordernde Geste an sie. Seine Gehhilfe verschwindet neben dem rechten Bein. Sie setzt sich direkt auf seinen Schoß. Beide umschlingen sich. Ihre Köpfe zärtlich in Berührung. Sie sind nicht mehr in der Bahn, ihre tiefe Liebe ist spürbar und ganz nah. Berührungen ihrer beiden Seelen und meiner Seele ist ergriffen. Ich vergesse Raum, Zeit und beobachte die Beiden so lange bis die Bahn wieder hält. Diesmal meine Endstation. Mir treibt das Erlebte fast Tränen in meine Augen, dieser Augenblick.

Jetzt nach dem Abendessen in der Stadt überlege ich noch kurz ob ich darüber schreibe. Ich tu´s einfach. Mich interessieren Lebensgeschichten, diese lasse ich nun los.

(Kai Peter Jasny)

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4 Gedanken zu “Smartphone getippelt IV.

    1. Ich weiß (noch) nicht was es ist … was mich sehen lässt. Mein Herz? Geplant war eine Erzählung zur Bodensee Umwanderung zu schreiben. Das Netbook ist mit dabei. Der Plan war: „Die Erzählung vom verlorenen Vater“ zu schreiben. Der Plan war gut … er hat bloß nicht funktioniert! 😉

      1. Ein Zitat für dich:

        (Wenn du dir etwas aus tiefsten Herzen wünschst, dann bist du der Weltenseele näher. Sie ist immer eine positive Kraft.)
        – Paulo Coelho

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