Tatort Freiburg.


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Es ist Freitagnacht. Ich sitze in einem Lokal und speise ein Essen zu einem Studentenpreis. Danach kommt die Überlegung in mir auf, was kann ich heute Nacht noch treiben!? Irgendwie kann ich keine Wahl treffen, soll ich doch nach Hause gehen und einen entspannten Abend mit Musik verbringen!?
Ich hab´s, ich lasse eine Münze entscheiden. Sie fliegt in die Luft, sie wird gefangen und ein letztes mal gewendet. Die Entscheidung legt sie fest, es geht auf den Heimweg, meinen Heimweg.
Nach dem Bezahlen ziehe ich mir die Kopfhörer auf die Ohren und wandere in Richtung Stühlinger durch die Nacht. Als ich in meinem Stadtteil ankomme, suche ich mir einen speziellen Song aus und erhöhe die Lautstärke bis zum Maximum.
Er läuft, ich grinse und spaziere am Park bei der Kirche im Stühlinger entlang. An der nächsten Straßenecke sehe ich eine kleinere Person liegen und eine ältere Frau beugt sich zu ihm runter.
Ich werfe mir die Ohrhörer vom Kopf und laufe zur Frau und dem Jungen hin. Shit, der junge blutet am Bein sehr stark, sein linkes Jeanshosenbein ist komplett Blutrot. Die Frau spricht mich an: „sind sie Arzt?“
Ich schüttle meinen Kopf und verneine damit. Gegenfrage: „haben Sie den Notarzt und die Polizei verständigt?“ JA.
Der Junge ist bei Bewusstsein und spricht etwas englisch, ich ziehe meine Strickjacke aus und lege sie unter seinen Kopf. Mit meinen Händen und mit meiner Stimme beruhige ich ihn.
Es kommen weitere Leute hinzu, einer berichtet von einer Schlägerei im Park bei der Kirche. Jetzt wird mir klar, die etwa 10 cm lange wunde an seinem Bein, ist von einem Messer. Drogen und Geld
tragen sicherlich ihre Verantwortung an dieser Tat. WARUM!?
Er ist marokkanischer Herkunft, geschätzte 17 bis 20 Jahre alt, liegt da, zappelt und blutet wie eine
frisch geschlachtete Sau.
Eigentlich kenne ich solch Situation nur aus dem Tatort am Sonntag. Der Rettungswagen und die Polizei trifft ein. Ich helfe den Sanitätern den Jungen auf die Krankenbahre zu heben und wünsche ihm: „Good Luck!“
Jetzt kommt eine Polizistin auf mich zu und befragt mich zum Geschehen. Ich kann ihr nicht wirklich weiter helfen. Sie möchte meinen Namen und meine Adresse wissen.

„Wie ist ihr Name?“ Ich: „Kai Jasny“

Sie notiert meinen Namen.

„Und ihr Vornamen?“

… ich frage mich, wer hier mehr durch den Wind ist, ich oder sie …

Dieser Nachhauseweg und die Entscheidung, gefällt durch ein 2 Eurostück bleiben mir in Erinnerung!

(Kai Peter Jasny)

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