Mutprobe des Herzens


 

 

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Im Alter von 35 Jahren verliert der französische Maler Hugues de Montalembert innerhalb von Stunden sein Augenlicht. Bei einem Raubüberfall hatte ihm einer der Täter Lösungsmittel in die Augen gesprüht. Der Mann, der aus der Welt der Farben Kunstwerke schuf, stürzt über Nacht in die endlose Dunkelheit. Nachdem er den ersten Schock überwunden hat, steht de Montalembert vor einer Reihe von Fragen:“Wie geht es weiter in meinem Leben? Werde ich je wieder als Künstler arbeiten können? Habe ich noch Vertrauen – in die Welt und in mich?“ Er fasst einen wilden Entschluss. Er hebt sein Erspartes ab und kauf ein Flugticket nach Asien. Blind und ohne fremde Hilfe geht er auf die abenteuerlichste Reise seines Lebens. „Einmal bin ich unterwegs bestohlen worden, fast immer aber wurde ich beschenkt“, erzählte er. Es wurde für ihn der Beginn eines neues Lebens – auch als Künstler.

 

In der Philosophie nennt man dieses Verhalten „Vertrauensvorsprung“. Denn zu vertrauen heißt, sich verletzlich zu machen, etwas zu riskieren, dabei aber darauf zu hoffen, dass andere diese Verletzlichkeit nicht missbrauchen werden. Vertrauen ist immer ein Wagnis, das Mut erfordert – besonders wenn man Blind ist. Wer nicht sehen kann, neigt instinktiv zur Vorsicht, ja vielleicht sogar dazu, sich von der Welt zurückzuziehen, weil alles da draußen gefährlich und unberechenbar erscheint. Daraus kann schnell Misstrauen erwachsen.

 

Blindheit befällt nicht nur die Augen, auch das Herz kann sein Sehvermögen einbüßen. Dann fällt es schwer, das Gute zu erkennen, selbst wenn es direkt vor uns befindet. Was nützt es also, sich zu verschließen, um Risiken aus dem Weg zu gehen oder sich gegen mögliche Enttäuschungen zu wappnen, wenn es uns das Vertrauen kostet? Dann genau das wird eintreten. Aber ohne Vertrauen kann es keine Liebe, keine Gemeinschaft, keine Freundschaft geben. So einfach ist das – und so schwierig. Es ist für niemanden leicht, zur eigenen Verletzlichkeit zu stehen. Vertrauen ist eine Mutprobe des Herzens, die uns das Leben auferlegt – immer wieder. Wir können uns ihr stellen und sie bestehen, oder wir kneifen. Wir haben die Wahl.

 

 

 

Quelle: happinez-Radaktion (Ausgabe Nr.:3 – 2013)

 

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11 Gedanken zu “Mutprobe des Herzens

  1. ╔══════ ೋღღೋ ══════╗

    Viele liebe Grüße an Dich ♥

    ╚══════ ೋღღೋ═════╝

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